Posted in: Mond 8. November 2010 19:26 Weiter lesen →

Elektrische Einschläge bei Vollmond

Blick auf die Nordpolregion des Mondes mit Tag-Nacht-Grenze Die Erde muss nicht nur Einschläge aus dem All einstecken, sie teilt auch aus. Das belegen Messungen einer japanischen Mondsonde. Ein Mal im Monat, wenn der Mond durch den Magnetschweif der Erde zieht, wird er demnach von energiereichen Elektronen getroffen, die auf weiten Spiralbahnen um die magnetischen Feldlinien kreisen.

Bild: NASA/JPL/USGS

Yuki Harada von der Universität Kyoto und seine Kollegen konnten den Effekt in den Daten nachweisen, die zwei Instrumente an Bord der Sonde Selene gesammelt hatten. Selene, nach einer japanischen Märchenprinzessin auch Kaguya genannt, hatte den Mond zwanzig Monate lang in nur 100 Kilometern Abstand umkreist und umfangreiche Messungen vorgenommen. Dann war sie im Juni 2009 planmäßig auf dem Erdtrabanten eingeschlagen.

Ganz ähnlich ergeht es energiereichen Elektronen in der Magnetosphäre der Erde, fanden Harada und Kollegen. Unter dem Einfluss des Sonnenwindes verformt sich das Erdmagnetfeld auf der sonnenabgewandten Seite der Erde zu einem langen Schweif. Im Zentrum dieses Schweifs sammelt sich ein Plasma aus elektrisch geladenen Teilchen an, die aus dem Sonnenwind und aus der Erdatmosphäre stammen. Ein Mal im Monat gerät der Mond auf seiner Bahn für wenige Tage in diese Plasmaschicht.

Bei diesen Gelegenheiten registrierte Selene ein Ausbleiben von Elektronen mit einer Energie von mehr als 1 Kiloelektronenvolt, berichten Harada und Kollegen im Fachblatt „Geophysical Research Letters“. Elektronen dieser Energie beschreiben, wenn sie in Mondnähe an den Feldlinien des Erdmagnetfeldes entlanglaufen, eine spiralförmige Bahn mit einem Radius von mindestens 107 Kilometern. Wenn sie den Mond in diesem oder in geringerem Abstand passieren, schlagen sie also auf dessen Oberfläche ein. Weniger energiereiche Elektronen können dagegen im gleichen Abstand passieren, da ihre Spiralbahn weniger ausladend ist.

Forschung: Yuki Harada und Shinobu Machida, Department of Geophysics, Kyoto University, Kyoto; Yoshifumi Saito und Takaaki Tanaka, Institute of Space and Astronautical Science, Japan Aerospace Exploration Agency, Sagamihara; und andere

Veröffentlichung Geohysical Research Letters, Vol. 37, L19202, DOI 10.1029/2010GL044574

WWW:
Solar-Planetary Electromagnetism Lab, Kyoto University
Kaguya (SELENE)
Die Magnetosphäre der Erde (PDF)
Lorentzkraft

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Bandenspiel im Sonnensystem
Selene: Mondprinzessin am Ziel


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