Posted in: Galaxien 10. November 2010 13:27 Weiter lesen →

Neue Struktur in der Milchstraße entdeckt

Illustration zeigt dünne Milchstraßenscheibe, über und unter deren Zentrum je ein violett glimmender Lobus Die Spur einer immensen Energiefreisetzung haben amerikanische Astrophysiker in der heimischen Milchstraße entdeckt. Über und unter der Scheibe der Galaxis wölben sich demnach zwei große kugelförmige Bereiche, von denen ein Glimmen hochenergetischer Strahlung ausgeht.

Grafik: NASA/GSFC

„Wir haben es hier mit zwei, Gammastrahlung emittierenden Blasen zu tun, die sich jeweils 25.000 Lichtjahre weit nördlich und südlich des Milchstraßenzentrums erstrecken“, erklärt Douglas Finkbeiner vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics. „Welcher Art diese Blasen sind und wie sie entstanden sind, wissen wir noch nicht genau.“

Obwohl die von den Blasen ausgesandte Strahlung sehr hart ist, war sie bei früheren Kartierungen der Galaxis nicht aufgefallen. Finkbeiner und zwei Kollegen stießen nun auf die beiden Gebilde, als sie Daten des Weltraumteleskops Fermi analysierten. Ihre Entdeckung stellen sie demnächst im „Astrophysical Journal“ vor.

Karte der galaktischen Gammastrahlung, insgesamt dunkelblau, weiße Scheibe, darüber und darunter zwei gelb-orangene Bereiche, einige helle Punkte Grafik: NASA/DOE/Fermi LAT/D. Finkbeiner et al.

Von der beobachteten Strahlungsverteilung subtrahierten die Forscher jenen Strahlungshintergrund, der auf die Wechselwirkung hochenergetischer kosmischer Strahlung mit Staub und mit energieärmeren Photonen in der Milchstraße zurückgeht. Dabei schälten sich die beiden recht klar konturierten Blasen aus den Fermi-Karten heraus.

Zurückblickend lasse sich diese Struktur schon in den Daten des deutschen Röntgensatelliten ROSAT und des amerikanischen Satelliten WMAP erahnen, so Finkbeiner und Kollegen. Wahrscheinlich gingen die Blasen auf einen Energieausbruch zurück, der sich vor einigen Jahrmillionen im Milchstraßenzentrum ereignet habe. Möglicherweise habe sich das dortige Schwarze Loch damals auf einen Schlag größere Materiemengen einverleibt. Vielleicht sei die Energie aber auch nach der jähen Entstehung jener Sterne freigesetzt worden, die man heute in der Nähe des Schwarzen Lochs beobachten könne.

Forschung: Meng Su, Tracy R. Slatyer und Douglas P. Finkbeiner, Institute for Theory and Computation, Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, und Physics Department, Harvard University, Cambridge, Massachusetts

Veröffentlichung Astrophysical Journal (im Erscheinen); Preprint arXiv:1005.5480

WWW:
Institute for Theory and Computation, Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics
The Structure of the Milky Way
Fermi Gamma-ray Space Telescope

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
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Lichtecho aus dem Herz der Milchstraße
Sternentstehung nahe Schwarzem Loch


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