Posted in: Exoplaneten, Galaxien 18. November 2010 20:19 Weiter lesen →

Planet bei galaktischem Zuwanderer entdeckt

Grafik zeigt wolkenbedeckten Planet nahe eines feurigen Sterns Heidelberger Astronomen haben den ersten Planet eines Sterns entdeckt, der wahrscheinlich nicht aus der Milchstraße stammt. Als wäre das nicht genug, dürfte der Planet auch noch eine feurige Umarmung durch sein alterndes Zentralgestirn überstanden haben.

Grafik: ESO/L. Calçada

Johny Setiawan und seine Kollegen vom Max-Planck-Institut für Astronomie fanden den Exoten bei einem Stern, der heute „nur“ etwa 2.000 Lichtjahre von der Sonne entfernt im südlichen Sternbild Fornax steht. Ursprünglich dürfte der extrem metallarme Stern mit der Bezeichnung HIP 13044 jedoch zu einer kleinen Galaxie gehört haben, die vor einigen Milliarden Jahren von der Milchstraße verschlungen wurde.

„Aufgrund der großen Entfernung selbst der uns nächsten Galaxie ist es sonst unmöglich, dort die Existenz von Planeten nachzuweisen“, erklärt Setiawans Institutskollege Rainer Klement. „Doch dank der Verschmelzung dieser Zwerggalaxie mit unserer eigenen Milchstraße haben wir jetzt einen extragalaktischen Planeten in Reichweite unserer Teleskope.“

Sichtbares Produkt des Verschmelzungsprozesses ist ein regelrechtes Band aus Sternen, das sich als Helmi-Sternstrom durch die Milchstraße erstreckt. Mit HIP 13044 nahmen die Heidelberger Forscher einen dieser vereinnahmten Sterne genauer unter die Lupe. Mithilfe des deutsch-europäischen 2,2-Meter-Teleskops auf dem chilenischen Berg La Silla fahndeten sie nach dem typischen Torkeln, wie es Sterne unter dem Schwerkraftzug von Planeten zeigen – und wurden fündig. HIP 13044 wird demnach alle 16,2 Tage von einem Gasriesen vom Kaliber des Jupiters umkreist.

Der Gasplanet hat eine bewegte Vergangenheit. Im Innern seines Gestirns, einst der Sonne recht ähnlich, ist nämlich schon vor einiger Zeit der Wasserstoff als Brennstoff ausgegangen. In der Folge blähte sich der Stern vorübergehend auf ein Hundertfaches seiner ursprünglichen Größe auf. Dabei dürfte er seine Planeten in heißes Gas gehüllt und – gemessen an seiner ungewöhnlich raschen Rotation – einige davon auch gänzlich verschluckt haben. Derzeit verbrennt der Stern Helium anstelle von Wasserstoff. Dieser vergleichsweise ruhige Zustand hält aber nur einige Millionen Jahre an. Wenn sich der Stern schließlich erneut regt, sind wohl auch die Tage des jetzt entdeckten Planeten gezählt.

Forschung: Johny Stiawan, Rainer J. Klement und Tim Schulze-Hartung, Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg; Jens Rodmann, ESA European Space Research and Technology Centre (ESTEC), Noordwijk; und andere

Online-Veröffentlichung Science, 18. November 2010, DOI 10.1126/science.1193342

WWW:
SERAM-Projekt, Max-Planck-Institut für Astronomie
Extrasolar Planets Encyclopaedia
The Milky Way Galaxy
List of Stellar Streams

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