Posted in: Galaxien, Kosmos 22. November 2010 20:35 Weiter lesen →

Alte Galaxie mit neuem Schwung

Blick ins Zentrum der Galaxien zeigt einen bläulich glimmenden Ring hinter dunklen Staubschwaden, ein Einschub zeigt die ganze Galaxie als diffuse Ellipse Auch galaktische Senioren können einen zweiten Frühling erleben, zeigen Beobachtungen englischer und amerikanischer Astronomen. Obwohl die von ihnen studierte Galaxie zu einem als reif und eher geruhsam geltenden Galaxientyp gehört, erstrahlt sie im Licht junger Sonnen – entzündet wahrscheinlich durch die Verschmelzung mit einer kleineren Begleitgalaxie.

Bild: NASA, ESA, R.M. Crockett (University of Oxford, U.K.), S. Kaviraj (Imperial College London and University of Oxford, U.K.), J. Silk (University of Oxford), M. Mutchler (Space Telescope Science Institute, Baltimore), R. O’Connell (University of Virginia, Charlottesville), and the WFC3 Scientific Oversight Committee

Die neuen Beobachtungsdaten, gewonnen mit dem Weltraumteleskop Hubble, ständen im Einklang mit einem sich wandelnden Bild von solchen Galaxien, erklärt Mark Crockett von der Universität Oxford. „Bislang nahm man an, dass elliptische Galaxien ihre Sterne schon vor Jahrmilliarden gebildet und all ihr Gas, aus dem neue Sterne entstehen, aufgebraucht haben“, so der Forscher. „Und nun finden wir in vielen elliptischen Galaxien Hinweise auf die Geburt neuer Sterne.“

Anders als Spiralgalaxien weisen elliptische Galaxien keine klare Struktur auf und senden eher rötliches Licht aus, wie es einer Population vorwiegend alter Sterne entspricht. Zu diesem Typ Galaxien gehört auch NGC 4150 in gut 44 Millionen Lichtjahren Entfernung von der Milchstraße. Zur Verblüffung der Forscher zeigten die im nahen Ultraviolett aufgenommenen Bilder jedoch Staub- und Gasfahnen sowie Gruppen junger, bläulicher Sterne, die einen 1.300 Lichtjahre weiten Ring um das Zentrum der Galaxie beschreiben.

„Wir sehen diese Galaxie kurz nach einem größeren Ausbruch der Sternentstehung“, erklärt Crocketts Institutskollege Joseph Silk. „Die jüngsten Sterne sind zwischen 50 und 300 bis 400 Millionen Jahre alt. Die meisten anderen Sterne der Galaxie sind dagegen etwa zehn Milliarden Jahre alt.“

Die Forscher schätzen, dass sich NGC 4150 vor gut einer Milliarde Jahren eine kleinere, noch reichlich Wasserstoffgas enthaltende Galaxie einverleibt hat. Dadurch legte sie nicht nur an Masse zu, sondern erfuhr ganz offenbar auch eine Verjüngung, indem das Gas ein Feuerwerk der Sternentstehung auslöste.

„Unsere Beobachtungen stützen die Theorie, dass Galaxien im Laufe der Jahrmilliarden wachsen, indem sie mit Zwerggalaxien kollidieren“, so Crockett weiter. „Mit NGC 4150 haben wir in unserem eigenen galaktischen Vorgarten ein dramatisches Beispiel für einen Vorgang, wie er im jungen Universum an der Tagesordnung war.“

Forschung: Mark Crockett, Sugata Kaviraj und Joseph Silk, Physics Department, University of Oxford, und Physics Department, Imperial College London; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal (im Erscheinen)

WWW:
Oxford Astrophysics
Astrophysics Group, Imperial College London
Elliptische Galaxien
Hubble

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Doppel-Supernova in unruhiger Galaxie
Reger galaktischer Kannibalismus


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