Posted in: Galaxien, Sterne 26. November 2010 15:32 Weiter lesen →

Explosiver galaktischer Kreislauf

Grafik zeigt Queransicht der Milchstraße, über deren dünne, bläulich leuchtende Scheibe pilzförmige Fontänen aufsteigen Was die Sonne für den Wasserkreislauf der Erde ist, sind Sternexplosionen für den Materiekreislauf in der Milchstraße. Diese Ansicht bekräftigen Beobachtungen amerikanischer Forscher. Die von Supernovae freigesetzte Energie lässt demnach regelrechte Fontänen heißen Gases über die Scheibe der Galaxis aufsteigen. Dort kühlt das Gas ab und verdichtet sich zu Wolken, die langsam wieder in die Scheibe fallen.

Bild: ESA

„Wir können zwar nicht direkt beobachten, wie die heißen Gasfontänen aus der Scheibe aufsteigen“, erklärt David Henley von der University of Georgia. Schon seit langem werde aber vermutet, dass das heiße Gas im Halo, dem unmittelbaren Umfeld der Milchstraße, auf solche Fontänen zurückgehe. Der Fluss weicher Röntgenstrahlung aus dem Halo stehe im Einklang mit einem solchen Prozess, berichten der Forscher und seine Kollegen im „Astrophysical Journal“.

Die Gruppe um Henley und seine Kollegin Robin Shelton nutzten das europäische Röntgenteleskop XMM-Newton, um die Bereiche ober- und unterhalb der Milchstraßenscheibe im Licht Millionen Grad Celsius heißer Sauerstoffatome zu kartieren. Ihre Messwerte verglichen sie mit den Vorhersagen verschiedener Modelle zur Aufheizung des Gases im Halo. „Es zeigte sich, dass das Szenario der galaktischen Fontänen am ehesten zu unseren Daten passt“, so Henley.

Würde das Gas im Halo allein durch Supernovae im Halo selbst aufgeheizt, sollte die Strahlung im betrachteten Röntgenbereich weniger gleichmäßig verteilt und insgesamt um den Faktor zehn schwächer sein, schätzen die Forscher. Auch eine Aufheizung durch von außen in die Milchstraße stürzende Materie könne die Messdaten nicht erklären. Dies bedeute allerdings nicht, dass es allein Gasfontänen aus der galaktischen Scheibe seien, die den Halo in Wallung versetzten, betont Henley. „Es gibt noch eine Reihe offener Punkte. Wir glauben aber, dass wir einer Erklärung für den Ursprung des heißen Halogases einen Schritt näher gekommen sind.“

Forschung: David B. Henley und Robin L. Shelton, Department of Physics and Astronomy, University of Georgia, Athens; Mordecai-Mark Mac Low, Department of Astrophysics, American Museum of Natural History, New York; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal, Vol. 723(1), pp 935-53, DOI 10.1088/0004-637X/723/1/935; Preprint arXiv:1005.1085

WWW:
Astronomy and Astrophysics, University of Georgia
Das interstellare Medium: Materiekreislauf
The Multiwavelength Milky Way
XMM-Newton

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