Posted in: Galaxien, Kosmos 13. Januar 2011 18:17 Weiter lesen →

Astronomen wiegen Schwarzes Loch

Langzeitbelichtetes Foto zeigt großes Teleskop mit schimmernder Kuppel, über dem sich der Sternenhimmel dreht, einige blassrot gefärbte "Fahrstrahlen" Das wohl massereichste Schwarze Loch in der kosmischen Nachbarschaft der Milchstraße haben amerikanische Astronomen gewogen. Gemessen an der hohen Geschwindigkeit der Sterne, die die Schwerkraftfalle umkreisen, dürfte diese eine Masse von 6,6 Milliarden Sonnen in sich vereinen.

Am Gemini-Nord-Teleskop auf Hawaii dient ein Laserstrahl als künstlicher Leitstern, um atmosphärische Störungen ausgleichen und so besonders scharfe Aufnahmen erstellen zu können. Foto: Gemini Observatory/AURA

Diese schiere Masse könnte es vielleicht ermöglichen, ein Schwarzes Loch tatsächlich einmal zu sehen, hofft Karl Gebhardt von der University of Texas in Austin. Der Bereich um die Massenkonzentration, in dem selbst das Licht gefangen werde, dürfte drei Mal so weit sein wie die Umlaufbahn des Pluto um die Sonne. Damit sei er so groß, dass man ihn mit künftigen Teleskop-Netzwerken vielleicht als dunklen Schatten in einer Scheibe leuchtenden Gases abbilden könne.

Das von Gebhardt, seinen Studenten und weiteren Kollegen studierte Schwarze Loch liegt in der Riesengalaxie M87 – rund 54 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt. Die Forscher nutzten das Gemini-Teleskop auf Hawaii sowie das 2,7-Meter-Spiegelteleskop ihrer Universität, um die Bewegung der Sterne im Zentrum und in den Außenbezirken von M87 zu messen. Aus den Werten konnten sie wiederum auf die Gesamtmasse der Galaxie und auf die Masse ihres Schwarzen Lochs schließen.

Innerhalb eines Radius von gut 150.000 Lichtjahren um ihr Zentrum dürfte M87 demnach leuchtende und dunkle Materie mit einer Masse von rund 6 Billionen Sonnen enthalten, berichtet die Gruppe auf einer Fachtagung in Seattle. Der Wert liegt etwa eine Größenordnung über den Schätzwerten für die Gesamtmasse der Milchstraße, deren Zentrum ein Schwarzes Loch mit etwa 4 Millionen Sonnenmassen beherbergt.

Die neuen Resultate trügen dazu bei, Wachstum und Entwicklung von Galaxien und ihren supermassereichen Schwarzen Löchern besser zu verstehen, so Gebhardt weiter. Zudem eröffneten sie die Möglichkeit, die Existenz Schwarzer Löcher nicht länger aus der Theorie und indirekten Schlussfolgerungen ableiten zu müssen.

Forschung: Karl Gebhardt, Joshua Adams und Jeremy Murphy, Department of Astronomy, University of Texas, Austin; und andere

Zur Veröffentlichung akzeptiert von Astrophysical Journal; Preprints arXiv:1101.1954 und arXiv:1101.1957; Präsentation auf dem 217th Meeting of the American Astronomical Society, Seattle

WWW:
Department of Astronomy, University of Texas
Black Hole Encyclopaedia, Karl Gebhardt
M87
NIFS, Gemini Observatory

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