Posted in: Galaxien, Sterne 2. Februar 2011 14:03 Weiter lesen →

Ein Happen für die Milchstraße

Grafik zeigt blau-grüne Spirale der Milchstraße mit gelbem Zentrum, darin ein rot gepunkteter Bogen Die Überreste einer glücklosen Galaxie hat eine internationale Forschergruppe gefunden – mitten in der Milchstraße. Bei ihrer Vermessung von Abertausenden von Sternen stießen die Forscher auf einige Exemplare, die sich als Sternstrom von den übrigen Sternen der Milchstraße abheben. Wahrscheinlich stammen sie aus einer kleinen Galaxie, die von der Milchstraße verschlungen worden ist.

Grafik: Arman Khalatyan, Astrophysikalisches Institut Potsdam

„Der Strom liegt direkt vor unserer Haustür, und doch konnten wir ihn nicht sehen“, erläutert Mary Williams vom Astrophysikalischen Institut Potsdam. Die Überreste der kleinen Galaxie liegen nämlich inmitten der Scheibe der Milchstraße, wo dicht an dicht stehende Sterne den Blick versperren. Auf Bildern des Sternhimmels lässt sich der Strom daher nicht ausmachen.

Williams und Kollegen gelang ihre Entdeckung im Rahmen eines Projekts, bei dem mit einem australischen Teleskop die Geschwindigkeit von etwa 250.000 Sternen relativ zur Sonne gemessen wird. Dabei fielen 15 Sterne auf, die mit Relativgeschwindigkeiten von bis zu 15.000 Kilometern pro Stunde förmlich durch die Milchstraßenscheibe schießen. Die meisten dieser rasenden und zudem metallarmen Sterne stehen im Sternbild Wassermann.

Visualisierung Bei weiteren Untersuchungen erhärtete sich der Verdacht, dass die Sonderlinge einen Sternstrom als Überrest einer Galaxie bilden, die vermutlich vor etwa 700 Millionen Jahren von den Gezeitenkräften der Milchstraße zerrissen worden ist. Neben diesem „Aquarius-Strom“ sind bereits mehrere andere Sternströme in der Milchstraße bekannt. Sie liegen jedoch typischerweise in den Außenbezirken der Galaxis.

Die neue Entdeckung helfe, die Entwicklung der Milchstraße bis zu ihrer heutigen Größe zu verstehen, so Williams‘ Institutskollege Matthias Steinmetz. „Wir wollen wissen, wie häufig solche Verschmelzungen mit Nachbargalaxien in der Vergangenheit vorgekommen sind und welche wir in Zukunft zu erwarten haben.“ Wahrscheinlich ist, dass die Milchstraße in etwa drei Milliarden Jahren mit der Andromeda-Galaxie kollidieren wird. Das schließt allerdings nicht aus, dass ihr zuvor noch eine Zwerggalaxie in die Quere kommt.

Forschung: Mary E. K. Williams und Matthias Steinmetz, Astrophysikalisches Institut Potsdam; Sanjib Sharma, School of Physics, University of Sydney; Tomaž Zwitter, Fakulteta za matematiko in fiziko, Univerza v Ljubljani; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal, Vol. 728(2), pp 102 ff., DOI 10.1088/0004-637X/728/2/102; Preprint arXiv:1012.2127

WWW:
Astrophysikalisches Institut Potsdam
RAVE – The Radival Velocity Experiment
The Milky Way Galaxy
The Satellite Galaxies

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Der Galaxis‘ reiche Beute
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