Posted in: Sonnensystem 16. Februar 2011 12:11 Weiter lesen →

Ein Komet auf den zweiten Blick

Zwei Ansichten einer kraterübersäten Oberfläche, auf der rechten, etwas weniger hochauflösenden markiert ein Kranz gelber Pfeile einen schemenhaft erkennbaren Krater Unter einer weichen Schale steckt nicht unbedingt ein harter Kern. Das zeigen Aufnahmen, die die amerikanische Raumsonde Stardust bei ihrem Vorbeiflug an dem Kometen Tempel 1 geschossen hat. Der Einschlag eines massiven Kupfergeschosses vor fast sechs Jahren hat demnach nur schwache Spuren hinterlassen.

Vergleich 2005/2011: Die linke Aufnahme wurde von Deep Impact gemacht, die rechte von Stardust. Bild: NASA/JPL-Caltech/University of Maryland/Cornell

Zwar könne man an der Einschlagstelle einen etwa 150 Meter weiten Krater mit einer kleinen Erhebung in der Mitte erkennen, erklärt Peter Schultz von der Brown University. Offenbar habe sich das beim Einschlag hochgeschleuderte Material jedoch rasch wieder über die Oberfläche gelegt. „Das zeigt uns, dass der Kern des Kometen zerbrechlich und nicht sehr fest ist“, so der Forscher.

Stardust hatte sich Tempel 1 in der Nacht von Montag auf Dienstag auf bis zu 178 Kilometer genähert. Für die Sonde war es bereits das zweite Rendezvous im All. Schon im Jahr 2004 hatte sie den Kometen Wild 2 passiert, Staub aus dessen Umgebung gesammelt und ihre Fracht an der Erde abgeliefert. Danach war sie auf Kurs zum Kometen Tempel 1 gebracht worden. Auf diesem war zwischenzeitlich das 370 Kilogramm schwere Kupfergeschoss der Sonde Deep Impact eingeschlagen.

Neben dem schemenhaft erkennbaren Einschlagkrater zeigen die neuen Aufnahmen weitere Oberflächenveränderungen in anderen Regionen von Tempel 1. Diese lassen sich vermutlich dadurch erklären, dass der Komet derzeit den sonnennächsten Abschnitt seiner Umlaufbahn um die Sonne durchläuft und dabei reichlich Material in Form von Eis und Staub ins All schleudert.

Diese starke Aktivität spiegelt sich auch in den Messdaten von Stardust wider: Der Partikeldetektor der Sonde habe während des Vorbeiflugs wahre Salven von Miniaturgeschossen registriert, erläutert Donald Brownlee von der Washington University in Seattle, der leitende Wissenschaftler der Mission. „Statt mit einem gleichmäßigen Partikelstrom hatten wir es offenbar mit zerbröselnden Brocken zu tun.“

Forschung: Peter H. Schultz, Department of Geological Sciences, Brown University, Providence, Rhode Island; Donald Brownlee, Department of Astronomy, University of Washington, Seattle; und andere

WWW:
Donald Brownlee, University of Washington
Stardust
9P/Tempel 1
Bahndiagramm

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