Posted in: Sonnensystem 23. Februar 2011 15:03 Weiter lesen →

Asteroid mit Zwillingsmonden

Bild zeigt zwei kleine Lichtpunkte in der nähe eines gleißend hellen Lichtflecks, teils mit einer Maske abgedeckt, darin erkennbar ein knochenförmiges Objekt Als im Jahr 1880 ein neu entdeckter Asteroid nach der ägyptischen Königin Kleopatra benannt wurde, hätte die Wahl kaum besser sein können. Das zeigen neue Untersuchungen französischer und amerikanischer Astronomen. Ebenso wie sein berühmtes Vorbild hat der Asteroid ein Zwillingspaar hervorgebracht, das ihn in Gestalt kleiner Monde umkreist.

Bild: F. Marchis et al., SETI Institute, UC Berkeley

Bei den winzigen Begleitern handelt es sich nicht etwa um eingefangene Gesteinsbrocken, sind die Forscher um Pascal Descamps und Franck Marchis vom Observatoire de Paris, dem kalifornischen SETI-Institut und von der Universität Berkeley überzeugt. Vielmehr dürften sie bei einer Kollision von dem Asteroiden, der eher einer rotierenden Geröllhalde als einem massiven Himmelskörper entspricht, abgetrennt worden sein.

Gut 120 Jahre nach der Entdeckung Kleopatras im Asteroidengürtel hatten Radarabtastungen gezeigt, dass das Objekt nicht einmal annähernd kugelförmig ist. Stattdessen ähnelt es einem 217 Kilometer langen Knochen. Descamps, Marchis und Kollegen nutzten eines der beiden Keck-Teleskope auf Hawaii, um mehr über den seltsamen Himmelskörper zu erfahren.

Die Astronomen richteten das Teleskop im September 2008 auf den Asteroiden, als dieser für irdische Beobachter gerade gegenüber der Sonne stand. Die Aufnahmen bestätigten die Knochenform und enthüllten außerdem zwei Monde von wenigen Kilometern Durchmesser. Mittlerweile hat die Internationale Astronomische Union den Vorschlag der Forscher akzeptiert, diese Monde in Anlehnung an die Zwillinge der historischen Kleopatra Alexhelios und Cleoselene zu taufen.

Anhand der Umlaufbahnen der beiden Möndchen und mithilfe archivierter Beobachtungsdaten konnten die Forscher neben der Größe auch die Masse Kleopatras ermitteln. Verblüffenderweise ergibt sich daraus eine Dichte von lediglich 3,6 Gramm pro Kubikzentimeter, während das Lichtspektrum des Asteroiden auf metallreiches Material einer deutlich höheren Dichte hindeutet.

Offenbar ist Kleopatra also kein solides Objekt, sondern eine lockere Ansammlung kleinerer Gesteinsbrocken mit 30 bis 50 Prozent Hohlräumen, folgern Descamps, Marchis und Kollegen. Werde eine solche Geröllhalde von einem anderen Asteroiden gestreift und dadurch in stärkere Rotation versetzt, könne die Fliehkraft leicht einzelne Brocken von der Oberfläche in eine Umlaufbahn tragen, erklären die Forscher die Entstehung der Monde.

Forschung: Pascal Descamps, Franck Marchis und Imke de Pater, Institut de Mécanique Céleste et de Calcul des Éphémérides, Observatoire de Paris, Department of Astronomy, University of California, Berkeley, und SETI Institute, Mountain View, Kalifornien; und andere

Veröffentlichung Icarus, Vol. 211(2), pp 1022-33, DOI 10.1016/j.icarus.2010.11.016

WWW:
Groupe Astrométrie et Planétologie, IMCCE
Homepage Franck Marchis, UC Berkeley
Bahndiagramm von (216) Kleopatra
Asteroids
Kleopatra VII.

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Asteroid entpuppt sich als „Dreigestirn“
Doppel-Asteroid ohne Rückgrat


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