Posted in: Sonnensystem 6. April 2011 14:43 Weiter lesen →

Flüssiges Wasser in Kometen

Grafik zeigt Blick über die schmutziggraue, kraterübersäte Oberfläche eines Kometen, aus der helle Gasströme emporschießen Kometen sind vielleicht nicht die perfekten Kühltruhen, für die sie bislang gehalten werden. Entsprechende Hinweise haben amerikanische Forscher bei der Untersuchung von Staubkörnchen eines Kometen gefunden. Einige der darin vorhandenen Mineralien können nur in Anwesenheit von flüssigem Wasser entstanden sein.

Grafik: NASA/JPL-Caltech

„Die derzeit vorherrschende Ansicht ist, dass es im Innern eines Kometen unmöglich flüssiges Wasser geben kann“, erklärt Dante Lauretta von der University of Arizona. Zumindest im Komet Wild-2 müsse es jedoch vorübergehend genügend warm gewesen sein, um einen Teil des Eises zu schmelzen und chemische Reaktionen zu ermöglichen. Diese Schlussfolgerung stehe im Gegensatz zu der Annahme, Material aus der Frühzeit des Sonnensystems werde in Kometen unverändert konserviert, so der Forscher.

Lauretta und Kollegen analysierten Staubkörnchen, die die Sonde Stardust nahe des Kometen Wild-2 aufgelesen und zur Erde gebracht hatte. Mithilfe von Elektronen- und Röntgenstrahlen bestimmten die Forscher die chemische und mineralogische Zusammensetzung des kostbaren Materials. Zu ihrer Verblüffung fanden sie Cubanit (Kupfereisensulfid) sowie weitere Sulfidmineralien, die sich auf der Erde typischerweise dort finden, wo heißes Wasser durch Klüfte im Gestein geflossen ist.

„Diese Sulfidmineralien bildeten sich bei Temperaturen zwischen 50 und 200 Grad Celsius – weit oberhalb der Minusgrade, die man im Innern eines Kometen erwarten würde“, so Lauretta weiter. Cubanit war bereits in Meteoriten aus der Gruppe der kohligen Chondriten nachgewiesen worden, und tatsächlich fanden die Forscher das Mineral auch in einer Probe des Meteoriten Orgueil. Der Nachweis von Cubanit in den im All gesammelten Kometenkörnchen sei jedoch eine handfeste Überraschung, so Lauretta und Kollegen.

Das Vorhandensein des hitzeempfindlichen Cubanits bedeute gleichzeitig, dass die Temperaturen nach der Bildung des Minerals niemals einen Wert von 210 Grad Celsius überschritten habe, erläutert Laurettas Kollegin Eve Berger. Diese Tatsache erlaube Rückschlüsse auf die Wärmequellen und die thermische Geschichte von Wild-2.

Vielleicht sei die Wärme kurz nach der Entstehung des Kometen – und des Sonnensystems – beim Zerfall radioaktiver Elemente freigesetzt worden. Vielleicht gehe sie aber auch auf Zusammenstöße mit kleineren Objekten in nachfolgenden Jahrmilliarden zurück. Ähnlich wie die Asteroiden könne man also auch die Kometen nicht über einen Kamm scheren, so Lauretta. „Man sollte sie vielmehr als individuelle Einheiten mit ihrer ganz eigenen geologischen Geschichte betrachten.“

Forschung: Eve L. Berger und Dante S. Lauretta, Lunar and Planetary Laboratory, University of Arizona, Tucson; Thomas J. Zega, Naval Research Laboratory, Washington, D. C.; Lindsay P. Keller, NASA Johnson Space Center, Houston

Veröffentlichung Geochimica et Cosmochimica Acta, DOI 10.1016/j.gca.2011.03.026

WWW:
Nine Circles Cosmochemistry Group, Dante Lauretta
The Comet Primer
Stardust

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Einschlägig organisch
Kometen: Heißgeschmiedetes im Eishaus


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