Posted in: Sonnensystem 7. April 2011 13:25 Weiter lesen →

Ein wankelmütiger Partner im All

Teleskopaufnahme zeigt den Asteroid als schwachen Lichtfleck zwischen gleißend hell erscheinenden Sternen Auf ihrer Bahn um die Sonne wird die Erde von einem höchst wankelmütigen Partner begleitet. Das haben nordirische Astronomen herausgefunden. Ein kürzlich entdeckter Asteroid nähert sich der Erde alle 175 Jahre abwechselnd von vorne oder von hinten – nur um von ihrem Schwerefeld wieder in Gegenrichtung geschickt zu werden.

Bild: The Faulkes Telescopes, operated by Las Cumbres Observatory

Von der Erde aus gesehen beschreibt der Asteroid daher eine hufeisenförmige Bahn im All, berichten Apostolos Christou und David Asher vom Armagh Observatory in den „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“. Woher das Objekt stammt und wie es in den Hufeisenorbit geraten ist, kann derzeit noch nicht gesagt werden.

Der Asteroid mit der Bezeichnung 2010 SO16 war erst im September letzten Jahres mit dem Weltraumteleskop WISE entdeckt worden. Nachfolgende Beobachtungen ergaben, dass der schätzungsweise 200 bis 400 Meter große Gesteinsbrocken auf einer Bahn um die Sonne zieht, die der Erdbahn stark ähnelt. Die Untersuchung von Christou und Asher zeigt nun, wie ungewöhnlich die Bahn des Asteroiden tatsächlich ist.

SO16 folgt der Erde derzeit in einem Abstand von rund 34 Millionen Kilometern um die Sonne. Seine Bahn ist etwas weiter und seine Geschwindigkeit ist etwas geringer als die der Erde, sodass er allmählich zurückfällt. In knapp 175 Jahren, bevor der Asteroid von der Erde überrundet wird, fällt er unter dem Einfluss der irdischen Schwerkraft auf eine etwas engere Bahn und beschleunigt dabei. Als Folge entfernt er sich wieder von der Erde und nähert sich ihr 175 Jahre später wieder von hinten, nur um von ihrer Schwerkraft erneut auf die weitere und langsamere Bahn katapultiert zu werden.

Diagramm der Hufeisenbahn mit aktueller Position und Skalierung SO16 hat kürzlich das nachfolgende Ende seiner Hufeisenbahn passiert (Skalierung: Astronomische Einheiten). Bild: Armagh Observatory

„Dieser Asteroid hat Terraphobie“, flachst Christou. „Er ist auf Abstand zur Erde bedacht, und das so gewissenhaft, dass er vermutlich schon seit mehreren Hunderttausend Jahren diese Bahn beschreibt und der Erde dabei niemals näher als das 50-Fache des Mondabstandes gekommen ist.“

Die Computerberechnungen Christous und Ashers zeigen, dass die Hufeisenbahn von SO16 so stabil ist, dass der seltsame Tanz noch viele weitere Hunderttausend Jahre andauern könnte. Die wenigen anderen Asteroiden, die bekanntermaßen ebenfalls Hufeisenbahnen um die Erde beschreiben, dürften ihren Orbit dagegen nur einige Tausend Jahre beibehalten.

Forschung: Apostolos A. Christou und David J. Asher, Armargh Observatory, Armagh

Veröffentlichung Monthly Notices of the Royal Astronomical Society (im Erscheinen); Preprint arxiv:1104.0036

WWW:
Armagh Observatory
Animation des Orbits über 1.000 Jahre (GIF, ca. 7,6 MB)
Horseshoe Orbit
Near Earth Asteroids

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Pendelnde Monde zeichnen Ringbögen
Sonnenlicht drückt Asteroiden gen Erde


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1 Kommentar zu "Ein wankelmütiger Partner im All"

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  1. Ulber sagt:

    Schon eine verblüffende Umlaufbahn.
    Bei dieser genauen Ausrichtung des Orbits, könnte man als Verfechter des Ufo Kultes schon auf komische Gedanken kommen :-).

    P.S.: Hat schon mal jemand näher hin geschaut ?