Posted in: Galaxien, Sterne 18. April 2011 13:47 0 Kommentare Weiter lesen →

Mehr Schwergewichte in der Milchstraße

Falschfarbenbild zeigt Infrarotblick in die Milchstraße mit rötlichen Gasfetzen, darüber gelegt Röntgenaufnahme mit hellblau strahlenden Sternen In der Milchstraße gibt es mehr stellare Schwergewichte als bislang angenommen. Diesen Schluss legen Beobachtungen einer internationalen Astronomengruppe nahe. Bei der genaueren Untersuchung von vier Röntgenquellen in der Milchstraße entpuppten sich diese als Sterne mit bis zu 50 Sonnenmassen.

Bild: X-ray: NASA/U. of Sydney/G.Anderson et al; IR: NASA/JPL-Caltech

Trotz ihrer enormen Leuchtkraft seien die kurzlebigen Giganten nur schwer aufzuspüren, erläutert Gemma Anderson von der Universität Sydney. “Diese Sterne sind für die üblichen optischen Teleskope nahezu unsichtbar, weil der Staub in der Ebene der Milchstraße ihr Licht absorbiert.” Wenn sie einst ihr Leben in Form einer Supernova-Explosion beendeten, könnten die massereichen Sterne allerdings die gesamte Galaxis an Leuchtkraft übertreffen – zumindest für einen kurzen Moment.

Bei ihrer Suche nach besonders massereichen Sternen setzen Anderson und Kollegen auf den Umstand, dass solche Objekte einen Strom schneller Elektronen und anderer Teilchen aussenden. Dieser starke Sternwind kann intensive Röntgenstrahlung produzieren, die den galaktischen Staubschleier zu durchdringen vermag.

Eine ganze Reihe solcher Röntgenquellen hatte der japanische Satellit ASCA bereits vor mehreren Jahren entdeckt. Bei vielen dieser Objekte ist jedoch immer noch unklar, worum genau es sich handelt. Die Astronomen nutzten nun das Weltraumteleskop Chandra, um vier dieser Röntgenquellen genauer unter die Lupe zu nehmen. Die neuen Beobachtungen mit ihrer präzisen Positionsbestimmung erlaubten zudem die Zuordnung der vier Objekte zu starken Infrarotquellen und letztlich ihre Identifizierung.

In mindestens zwei der vier Fälle handelt es sich demnach um Doppelsternsysteme, in denen die Sternwinde zweier massereicher Partner miteinander kollidieren. Durch die Kollisionen werde das umgebende Material auf Temperaturen von bis zu 100 Millionen Grad Celsius aufgeheizt und sende besonders harte Röntgenstrahlung aus, erklärt Anderson. “Noch extremer werden die Bedingungen erst, wenn einer dieser massereichen Sterne als Supernova vergeht.”

Forschung: Gemma E. Anderson und Bryan M. Gaensler, School of Physics, University of Sydney, Sydney; David L. Kaplan, Kavli Institute for Theoretical Physics, University of California, Santa Barbara; Marten H. van Kerkwijk, Department of Astronomy and Astrophysics, University of Toronto, Toronto; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal, Vol. 727(2), pp 105 ff., DOI 10.1088/0004-637X/727/2/105; Preprint arXiv:1011.3295

WWW:
Sydney Institute for Astronomy
The Milky Way Galaxy
Stars
Advanced Satellite for Cosmology and Astrophysics (ASCA)
Chandra

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Sterne: Stattliche Einzelgänger
“Supernova-Fabrik” in der Milchstraße


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