Posted in: Sonnensystem 19. April 2011 19:00 1 Kommentar Weiter lesen →

Kohlenmonoxid über Pluto

Bild zeigt großen weißen Lichtfleck neben einem etwas kleineren, in etwas Abstand zwei noch kleinere Flecken vor schwarzem Hintergrund Schottischen Astronominnen ist der erste sichere Nachweis von Kohlenmonoxid in der Atmosphäre des Pluto gelungen. Die Verbindung war bereits in Form von Eis auf der Oberfläche des Zwergplaneten entdeckt worden. Nun zeigt sich, dass sie auch Bestandteil einer weiten Gashülle um die eisige Welt ist.

Die Sonde New Horizons wird im Jahr 2015 an Pluto, Charon sowie den kleinen Monden Nix und Hydra vorbeifliegen. Bild: NASA, ESA, H. Weaver (JHU/APL), A. Stern (SwRI), and the HST Pluto Companion Search Team

Das Kohlenmonoxid lässt sich noch in Höhen von 3.000 Kilometern und mehr über dem Pluto nachweisen, berichtet Jane Greaves von der University of St Andrews auf einer Fachtagung im walisischen Llandudno. Frühere Beobachtungen hatten eine nur wenige Hundert Kilometer mächtige, aus Stickstoff und Spuren von Methan bestehende Gashülle nachweisen können.

Greaves, ihre Institutskollegin Christiane Helling und Per Friberg vom Joint Astronomy Centre auf Hawaii nutzten das dortige James-Clerk-Maxwell-Radioteleskop, um Pluto in insgesamt 13 Nächten in den Jahren 2009 und 2010 zu beobachten. Von der Erde aus gesehen, stand der Zwergplanet in mehr als 4,6 Milliarden Kilometern Entfernung jeweils an unterschiedlichen Stellen des Nachthimmels. Daher konnte die Gruppe den störenden Einfluss von galaktischen Gaswolken im Hintergrund aus ihren Daten herausrechnen.

Lohn der Mühe ist ein Spektrum, in dem sich deutlich eine Emissionslinie energetisch angeregter Kohlenmonoxid-Moleküle abzeichnet. “Es war aufregend zu sehen, wie das Signal allmählich deutlich wurde, indem wir Daten aus immer mehr Nächten berücksichtigten”, so Greaves.

Anhand ihrer Daten schätzen die Astronominnen, dass das Kohlenmonoxid über dem Pluto nicht wärmer ist als minus 223 Grad Celsius (50 Kelvin). Die Temperatur des Gases ist damit nur etwa halb so hoch wie von Modellen der Plutoatmosphäre vorausgesagt. Die Größe der Gashülle stimme dagegen gut mit den theoretischen Erwartungen überein, so Helling. “Die Höhe, bis zu der wir das Kohlenmonoxid sehen, passt gut zu Modellen der Erosion der Plutoatmosphäre durch den Sonnenwind.”

Pluto benötigt 248 Erdjahre für einen Umlauf um die Sonne und hat im Jahr 1989 den sonnennächsten Punkt seiner Bahn passiert. Die Reaktion seiner Atmosphäre auf die schwächer werdende Sonneneinstrahlung könnte unter anderem vom Wechselspiel des wärmend wirkenden Methans und des kühlend wirkenden Kohlenmonoxids abhängen. Greaves und ihre Gruppe hoffen, durch weitere Beobachtungen mehr über diesen Mechanismus herauszufinden. Im Jahr 2015 schließlich soll die Sonde New Horizons in wenigen Tausend Kilometern Abstand an dem Zwergplanet vorbeifliegen und ihn aus nächster Nähe studieren.

Forschung: Jane S. Greaves und Christiane Helling, Scottish Universities Physics Alliance, School of Physics and Astronomy, University of St Andrews, Fife; Per Friberg, Joint Astronomy Centre, Hilo, Hawaii

Präsentation auf dem National Astronomy Meeting 2011, Llandudno; Veröffentlichung Monthly Notices of the Royal Astronomical Society (im Erscheinen); Preprint arXiv:1104.3014

WWW:
Astronomy Group, University of St Andrews
Pluto
James Clerk Maxwell Telescope

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Neue Karte zeigt gescheckten Pluto
Eisiger Zwerg mit warmer Hülle


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1 Kommentar zu "Kohlenmonoxid über Pluto"

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  1. asdf sagt:

    in höhen von 3000 km??? die atmosphäre der erde ist gerade einmal einige 100 km dick und die masse der erde ist um ein vielfaches größer.

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