Posted in: Sterne 27. April 2011 14:33 Weiter lesen →

Supernova durch nimmersatten Stern

Falschfarbenbild zeigt die kugelrunde Explosionswolke der Tycho-Supernova mit hellblauem Bogen Im 16. Jahrhundert verfolgte ein dänischer Astronom, wie ein neuer Stern am Nachthimmel aufleuchtete und allmählich wieder verblasste. Ursache des Phänomens war der Kollaps einer ausgebrannten Sonne, bestätigt eine Studie chinesischer und amerikanischer Forscher. Das Objekt saugte demnach Gas von einem nahen Begleitstern ab, bis es schließlich unter seiner wachsenden Masse in sich zusammensackte und als Supernova explodierte.

Bild: NASA/CXC/Chinese Academy of Sciences/F. Lu et al

Die Wucht der Explosion fegte wiederum Material mit einer Masse von mehreren Hundert Erden von dem Begleitstern ins All, ermittelten Fangjun Lu von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und seine Kollegen. Das Material bildet heute einen im Röntgenbereich glimmenden Bogen, den die Forscher auf mehreren Aufnahmen des Weltraumteleskops Chandra ausfindig machten und eingehend analysierten.

Die Tycho-Supernova des Jahres 1572 ereignete sich innerhalb der Milchstraße in einem Abstand von etwa 10.000 Lichtjahren von der Sonne. Astronomen rechnen sie zu den Supernovae des Typs Ia. Diese Explosionen entwickeln vermutlich stets eine ähnliche Leuchtkraft und werden daher zur Schätzung kosmischer Entfernungen herangezogen. „Da sie als verlässliche Leuchtfeuer über einen enormen Entfernungsbereich genutzt werden, ist es umso wichtiger, den Auslösemechanismus zu verstehen“, erläutert Lu. Eine alternative Erklärung, der zufolge die Tycho-Supernova durch die jähe Verschmelzung zweier ausgebrannter Sterne ausgelöst wurde, stehe nicht im Einklang mit den neuen Daten.

Grafik zeigt Stern, von dem bei der Explosion seines Begleitsterns Material weggefegt wird Grafik: NASA/CXC/M.Weiss

In der Explosionswolke der Tycho-Supernova findet sich zudem ein relativ schwach glimmender Bereich, der sich nach außen an den hell glimmenden Bogen anschließt. Nach Ansicht der Astronomen wird dieser Bereich durch das Material des Bogens gegen die energiereiche Strahlung aus dem Zentrum des Supernova-Überrests abgeschattet.

Auf Basis ihrer Daten schätzen die Forscher, dass sich der Supernova-Vorläuferstern und sein Begleiter alle fünf Tage in einem Zehntel des Abstands der Erde von der Sonne umkreisten. Trotz dieser geringen Distanz scheint der Begleitstern die Explosion seines Partners überstanden zu haben: Schon vor einigen Jahren war mit „Tycho G“ ein Stern entdeckt worden, der mit hoher Geschwindigkeit durch den Überrest der Tycho-Supernova rast. Wahrscheinlich handelt es sich um den ehemaligen Begleiter, der durch die Explosion ins All gestoßen worden ist.

Forschung: Fangjun Lu, Key Laboratory for Particle Astrophysics, Institute of High Energy Physics, Chinese Academy of Sciences, Peking; Q. Daniel Wang, Department of Astronomy, University of Massachusetts, Amherst; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal; Preprint arXiv:1102.3829

WWW:
Institute of High Energy Physics, Chinese Academy of Sciences
Homepage Daniel Wang, University of Massachusetts
Supernovae
Tycho’s Supernova Remnant
Chandra X-ray Observatory Center

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Explosiver galaktischer Kreislauf


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