Posted in: Sonnensystem 13. Mai 2011 15:22 1 Kommentar Weiter lesen →

Glatteis am Rand des Sonnensystems

Grafik zeigt Haumea als eiförmiges Objekt, flankiert von kleineren, runden Begleitern Auf dem Zwergplanet Haumea am Rand des Sonnensystems herrschen weniger frostige Bedingungen als man erwarten könnte. Das zeigen Beobachtungen einer europäischen Forschergruppe. Zwar ist das Objekt rund 7,5 Milliarden Kilometer und damit noch weiter von der Sonne entfernt als der Pluto. Dennoch scheint es ausreichend warm zu sein, dass Wassermoleküle an seiner Oberfläche Eiskristalle bilden können.

Grafik: NASA, ESA, and A. Feild (STScI)

Ohne zusätzliche Wärmezufuhr wären Wassermoleküle auf Haumea derart unbeweglich, dass sie nicht immer wieder in eine regelmäßige kristalline Anordnung gleiten könnten, erläutert Benoît Carry vom Observatoire de Paris und von der Europäischen Weltraumagentur ESA. “Die kristalline Struktur des Oberflächeneises wird fortwährend durch Sonnenstrahlung zerstört. Daher ist eine Energiequelle nötig, um diese Organisation zu erhalten.”

Haumea war erst vor wenigen Jahren entdeckt worden. Das Objekt wurde nach einer hawaiianischen Göttin benannt und ist neben Pluto einer von derzeit vier anerkannten Zwergplaneten in den Außenbezirken des Sonnensystems. Es hat einen Äquatordurchmesser von rund 2.200 Kilometern, aufgrund seiner rasanten Eigendrehung allerdings die Form einer plattgedrückten Kugel angenommen. Haumea wird von zwei kleinen Monden umkreist.

Die Astronomen um Carry und seinen Kollegen Christophe Dumas nutzten eines der Großteleskope der Europäischen Südsternwarte in Chile, um das ferne Gespann zu studieren. Dabei konnten sie Störungen durch die Erdatmosphäre laufend kompensieren und so besonders genaue Infrarotspektren Haumeas und ihres größeren Mondes Hi’iaka aufnehmen. Diese Spektren betätigen frühere Beobachtungen, denen zufolge beide Objekte von Wassereis bedeckt sind. Sie zeigen darüber hinaus, dass die Wassermoleküle nicht etwa in einer chaotischen Anordnung eingefroren sind, sondern mindestens zehn Mikrometer große Kristalle bilden.

Solche Eiskristalle würden binnen einiger Millionen Jahre in eine amorphe Form übergehen, wenn nicht laufend etwas Wärme nachgeliefert würde, so die Forscher. Diese Wärme dürfte am ehesten aus dem Zerfall radioaktiver Kalium-, Thorium- und Uranatome im mineralischen Innern Haumeas stammen, glauben sie. Zusätzliche Wärme könnte freigesetzt werden, indem sich Haumea und ihre Monde mit ihren Gezeitenkräften fortwährend gegenseitig durchkneten.

Forschung: Christophe Dumas, European Southern Observatory, Santiago de Chile; Benoît Carry, Laboratoire d’études spatiales et d’instrumentation en astrophysique, Observatoire de Paris, Meudon, und European Space Astronomy Centre, ESA, Madrid; und andere

Veröffentlichung Astronomy & Astrophysics, Vol. 528, A105, DOI 10.1051/0004-6361/201015011; Preprint arXiv:1101.2102

WWW:
Very Large Telescope Array, ESO
LESIA, Observatoire de Paris
Kuiper Belt and Oort Cloud
Bahndiagramm Haumea
Why You Can’t Have a Snowball Fight on Mars

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Eisige Familienbande
Kuipergürtel: Kollision im Eishaus


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1 Kommentar zu "Glatteis am Rand des Sonnensystems"

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  1. Frager sagt:

    Ernstgemeint Frage:

    “sondern mindestens zehn Mikrometer große Kristalle bilden.”

    Wie kann man so etwas eigentlich festellen ?

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