Posted in: Galaxien, Kosmos 24. Mai 2011 19:57 Weiter lesen →

Milchstraße mit Seltenheitswert

Bild zeigt bläulich glimmende Wolke voller rötlicher und gelblicher Lichtflecken Die Milchstraße ist keine Galaxie wie jede andere. Zumindest durch ihre Begleitgalaxien hebt sie sich deutlich von den anderen Galaxien im Universum ab, haben amerikanische Forscher ermittelt. Nur etwa jede dreißigste Galaxie ähnlichen Kalibers besitzt demnach zwei helle Begleiterinnen, wie sie mit der Kleinen und der Großen Magellanschen Wolke vergleichbar wären.

Die Kleine Magellansche Wolke, im Infrarotbereich aufgenommen mit dem Weltraumteleskop Spitzer. Bild: NASA/JPL-Caltech/STScI

„Unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße, ist in vielerlei Hinsicht die bestuntersuchte Galaxie im Universum“, schreiben Risa Wechsler von der Universität im kalifornischen Stanford und ihre Kollegen im „Astrophysical Journal“. Wenn man von diesen Beobachtungen auf andere Galaxien schließen wolle, müsse man wissen, ob die Milchstraße auch eine typische Galaxie sei.

Für ihre Studie nutzten Wechsler und Kollegen die Daten des Sloan Digital Sky Survey – einem groß angelegten Beobachtungsprogramm, in dessen Rahmen bis heute ein Viertel des Nachthimmels durchmustert und mehr als eine Million Galaxien und Quasare erfasst wurden. Die Forscher wählten aus diesen Objekten 22.581 Galaxien aus, deren Lichtspektrum dem der Milchstraße ähnelt, und fahndeten nach hellen Begleitgalaxien im Umkreis von einer halben Million Lichtjahren.

Auf den Teleskopaufnahmen stehen zahlreiche Objekte scheinbar in der Nähe der Milchstraßenvettern, liegen tatsächlich jedoch weit im Vordergrund bzw. Hintergrund. Unter Berücksichtigung dieser Pseudo-Begleiter schätzen die Forscher, dass 81 Prozent aller milchstraßenähnlichen Galaxien keine hellen Begleitgalaxien im näheren Umkreis besitzen. Etwa 11 Prozent dürften eine solche Begleitgalaxie haben und lediglich 3,5 Prozent ein Paar heller Begleiterinnen ähnlich den Magellanschen Wolken.

Dieses Beobachtungsresultat passe gut zu den Ergebnissen umfangreicher Computersimulationen, die die Entstehung von Galaxien aus Keimen dunkler Materie nachvollziehen sollen, so Wechsler und ihre Kollegen. Zudem gebe es Hinweise darauf, dass es die Magellanschen Wolken erst nachträglich in die Nähe der Milchstraße verschlagen habe. Also stelle die Milchstraße wohl eine Rarität unter den Galaxien dar, sei aber nicht grundsätzlich aus der Art geschlagen.

Forschung: Lulu Liu, Brian F. Gerke, Risa H. Wechsler, Peter S. Behroozi und Michael T. Busha, Kavli Institute for Particle Astrophysics and Cosmology, Stanford University, Stanford, und SLAC National Accelerator Laboratory, Menlo Park

Veröffentlichung Astrophysical Journal, Vol. 733(1), Artikel 62, DOI 10.1088/0004-637X/733/1/62; Preprint arXiv:1011.2255

WWW:
Risa Wechsler, Stanford University
Atlas of the Universe: The Satellite Galaxies
Sloan Digital Sky Survey

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