Posted in: Galaxien, Kosmos 15. Juni 2011 18:43 Weiter lesen →

Lebendes galaktisches Fossil

Teleskopaufnahme einer länglichen bläulichen Galaxie voller Gas vor schwarzem Hintergrund Eine besonders urtümlich anmutende Galaxie haben europäische Astronomen identifiziert. Bei der erneuten Analyse zwei Jahrzehnte alter Beobachtungsdaten fanden sie, dass die Zwerggalaxie nur wenig schwere Elemente enthält, im Gegenzug aber reichlich Gas.

Bild: ESO

Ganz ähnliche Eigenschaften dürften die ersten Galaxien nach dem Urknall aufgewiesen haben, erklärt Lars Mattsson von der Universität Kopenhagen. „Diese Galaxie vermittelt uns einen Eindruck davon, wie die Galaxien aussahen, bevor die Sternentstehung richtig in Schwung kam.“

Gemeinsam mit zwei Kollegen aus der Ukraine und aus Schweden analysierte Mattsson Daten über Gasansammlungen in leuchtschwachen Galaxien, die in den Jahren 1989 und 1992 an der Europäischen Südsternwarte in Chile gesammelt worden waren. Die Forscher nutzten die Intensität typischer Spektrallinien, um die Häufigkeit schwerer Elemente wie Stickstoff und Sauerstoff in den Gaswolken zu schätzen. Die Resultate stellen sie im Fachblatt „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society: Letters“ vor.

Balkendiagramm zeigt Sauerstoff-, Stickstoff- und Gasgehalt und Anzahl der Sterne in Relation zur Milchstraße Grafik: Lars Mattsson

Als besonders interessant entpuppte sich eine Zwerggalaxie mit der Bezeichnung ESO 546-G34. Der Winzling ist rund 70 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt und dürfte wenig mehr als eine Milliarde Sonnenmassen in sich vereinen – kaum ein Prozent der Masse seiner großen Schwester. Bemerkenswert ist nicht nur sein extrem niedriger Gehalt schwerer Elemente. „Unserer Analyse zufolge könnte diese leuchtschwache kleine Galaxie zu 50 Prozent aus Gas bestehen“, so Mattsson. „Eine große reife Galaxie wie die Milchstraße besteht dagegen zu 15 bis 20 Prozent aus Gas.“

Mattsson und seine Kollegen vermuten, dass es sich bei ESO 546-G34 um einen galaktischen Spätentwickler handelt. Offenbar habe der Zwerg noch keine Kollisionen mit anderen Galaxien erlebt, wie sie die Zusammenballung des Gases zu Sternen und damit die Bildung schwerer Elemente auslösten. „Daher könnte er uns einzigartige Erkenntnisse über die ersten Galaxien im Universum liefern.“

Forschung: Lars Mattson, Dark Cosmology Centre, Niels Bohr Institutet, Københavns Universitet, Kopenhagen; Leonid S. Pilyugin, Main Astronomical Observatory of the National Academy of Sciences of Ukraine, Kiew; Nils Bergvall, Institutionen för fysik och astronomi, Uppsala universitet, Uppsala

Veröffentlichung Monthly Notices of the Royal Astronomical Society: Letters, DOI 10.1111/j.1745-3933.2011.01077.x; Preprint arXiv:1105.3650

WWW:
Dark Cosmology Centre, Kopenhagen
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