Posted in: Galaxien, Sterne 7. Juli 2011 20:00 Weiter lesen →

Staubiger Sterntod

Falschfarbenbild zeigt dunkel- bis hellviolette Wolken, zwei Striche markieren einen hellen Punkt Wenn große Sterne am Ende ihres Lebens kollabieren, produzieren sie nicht nur gewaltige Mengen von Strahlung. Den Beleg für diese Ansicht liefern neue Beobachtungen jener spektakulären Supernova, die im Jahr 1987 in der Nachbarschaft der Milchstraße aufgeleuchtet war. Fast ein Vierteljahrhundert später finden sich im Umfeld der Explosion beträchtliche Mengen von Staub.

SN 1987a in der Großen Magellanschen Wolke auf einer Aufnahme des Weltraumteleskops Herschel. Image courtesy of Pasquale Panuzzo

Dieser Staub dürfte es auf bis zu 70 Prozent der Sonnenmasse bringen, schätzen Mikako Matsuura vom University College London und ihre Kollegen im Magazin „Science“. Zwar könne man nicht sagen, ob er schon während der Explosion entstanden oder erst nachträglich aus dem bei der Explosion fortgeschleuderten Material ausgeklumpt sei, so die Astrophysikerin. Doch selbst ein Zeitraum von einigen Dutzend Jahren entspreche – gemessen an der Lebensdauer eines Sterns – nur einem Wimpernschlag.

Matsuura und Kollegen nutzten das europäische Weltraumteleskop Herschel, um das Gebiet um SN 1987A zu studieren. Die Supernova war Ende Februar des Jahres 1987 in der Großen Magellanschen Wolke aufgeblitzt, rund 160.000 Lichtjahre von der Sonne entfernt. Ursache war ein Stern von ursprünglich etwa 20 Sonnenmassen, in dessen Zentrum der Brennstoff zur Neige ging und der schließlich unter seinem eigenen Gewicht kollabierte. Die resultierende Schockwelle sprengte die äußeren Schichten des Sterns ins All, während die ausgesandte Strahlung einen schon lange vor der Explosion abgestoßenen Ring aus Gas zum Glimmen brachte.

Ring aus hellrot glimmenden Perlen umgibt ein dunkelviolettes Zentrum Der glühende Ring um SN 1987A, aufgenommen mit dem Weltraumteleskop Hubble im Jahr 2003. Bild: NASA, P. Challis, R. Kirshner (Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics) and B. Sugerman (STScI)

Mithilfe von Herschel konnten die Forscher nun kräftige Infrarot- und Submillimeter-Strahlung aus dem Zentrum des Supernovarests nachweisen. Ihre Berechnungen zeigen, dass die Strahlung bei Wellenlängen von 0,1 bis 0,5 Millimetern von großen Staubmengen mit einer Temperatur um minus 250 Grad Celsius stammt. Der Staub dürfte überwiegend aus Silizium bestehen, aber auch Kohlenstoff und Eisen enthalten – schwere Elemente, die im Innern des Sterns aus leichtem Wasserstoff erzeugt wurden und künftig als Rohmaterial für Gesteinsplaneten dienen können.

Frühere Beobachtungen hatten bei SN 1987A relativ wenig Staub gefunden, der deutlich wärmer ist und daher bei kürzeren Wellenlängen strahlt. Bei der Planung der Beobachtungen mit Herschel habe man daher auch nicht erwartet, die Supernova überhaupt sehen zu können, erläutert Matsuuras Kollegin Margaret Meixner vom Space Telescope Science Institute in Baltimore. Das Vorhandensein von reichlich kaltem Staub sei eine handfeste Überraschung und liefere eine willkommene Erklärung für die Tatsache, dass viele Galaxien – selbst solche im frühesten Universum – ausgesprochen staubige Gesellen seien.

Forschung: Mikako Matsuura und Michael J. Barlow, Department of Physics and Astronomy und Mullard Space Science Laboratory, University College London, London und Surrey; Eli Dwek, Observational Cosmology Laboratory, NASA Goddard Space Flight Center, Greenbelt; Margaret Meixner, Space Telescope Science Institute, Baltimore; Karin Sandstrom, Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg; und andere

Veröffentlichung Science, 7. Juli 2011, DOI 10.1126/science.1205983

WWW:
Astrophysics Group, University College London
Supernova 1987A
Herschel, ESA

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Fruchtlose Supernova
Supernova lässt Staubring erglühen

Posted in: Galaxien, Sterne
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (2 Bewertungen, im Schnitt 5,00 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.