Posted in: Galaxien, Kosmos 14. Juli 2011 10:43 Weiter lesen →

Kosmischer Drall

Bild einer Spiralgalaxie mit hellblauen Spiralarmen, hellem Zentrum Selbst auf einem sehr groben Maßstab ist das Universum kein einheitliches Gebilde. Zu diesem Schluss kommt ein amerikanischer Physiker nach der Betrachtung von mehreren Zehntausend Galaxien. Im Umkreis von gut einer Milliarde Lichtjahren um die Milchstraße ist die Zahl der Spiralgalaxien, die sich im bzw. gegen den Uhrzeigersinn drehen, demnach nicht völlig ausgeglichen.

Bild: NASA/ESA

Am nördlichen Himmel sieht man etwas mehr Galaxien, die gegen den Uhrzeigersinn rotieren, ermittelte Michael Longo von der University of Michigan. Am Südhimmel sieht man ein ähnliches Plus an Galaxien mit der gleichen Orientierung im All, die für irdische Beobachter also im Uhrzeigersinn rotieren. „Der Überschuss ist mit etwa 7 Prozent nur klein“, erklärt der Forscher. Die Chancen, dass es sich um einen reinen Zufallseffekt handle, ständen jedoch bei weniger als 1 zu 100.000. Ähnliche Asymmetrien seien zudem schon früher aufgefallen, beispielsweise in der Struktur der kosmischen Hintergrundstrahlung.

Mit tatkräftiger Unterstützung von vier Studenten betrachtete Longo rund 200.000 Bilder von mutmaßlichen Spiralgalaxien, die im Rahmen einer groß angelegten Himmelsdurchmusterung aufgenommen worden waren. Rund ein Sechstel der Galaxien stuften die Betrachter als Spiralgalaxien mit einer klar erkennbaren Händigkeit ein – die Spiralarme waren also deutlich in eine Richtung gekrümmt. Die Analyse der Fleißarbeit stellt Longo im Fachblatt „Physics Letters B“ vor.

„Diese Resultate sind besonders wichtig, weil sie offenbar dem allgemein anerkannten Prinzip widersprechen, dem zufolge das Universum auf hinreichend großen Skalen isotrop ist, also keine bevorzugte Ausrichtung besitzt“, so Longo weiter. Nach Ansicht des Physikers legen die neuen Ergebnisse den Schluss nahe, dass das Universum als Ganzes bei seiner Entstehung rotierte und das vielleicht auch heute noch tut.

Ausgehend von dem beobachteten Überschuss in verschiedenen Himmelsregionen, verläuft die Drehachse von der Erde aus gesehen ungefähr durch das Sternbild Bärenhüter. Um die neuen Resultate und Schlussfolgerungen auf eine solide Basis zu stellen, seien allerdings weitere Beobachtungen insbesondere am Südhimmel nötig, betont der Physiker.

Forschung: Michael Longo, Department of Physics, University of Michigan, Ann Arbor

Veröffentlichung Physics Letters B, Vol. 699(4), pp 224-9, DOI 10.1016/j.physletb.2011.04.008; Preprints arXiv:1104.2815 und astro-ph/0703325v3

WWW:
Michael Longo, University of Michigan
Spiralgalaxien
Five Year Results on the Oldest Light in the Universe

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