Posted in: Sonnensystem 1. August 2011 16:14 Weiter lesen →

Einschläge ohne Rhythmus

Luftaufnahme eines beinahe kreisrunden, schüsselförmigen Kraters in flachem, graubraunem Terrain Im Lauf der Erdgeschichte ist es immer wieder zu katastrophalen Einschlägen kosmischer Gesteinsbrocken gekommen. Diese Ereignisse folgen jedoch keinem festen Rhythmus, hat ein Heidelberger Astronom ermittelt. Im Widerspruch zu früheren Studien liefert seine Analyse keine Hinweise auf ein regelmäßiges Auf und Ab der Einschlagrate.

Der Barringer-Krater oder „Meteor Crater“ in Arizona. Bild: National Map Seamless Viewer/US Geological Service

Bestenfalls hat die Wahrscheinlichkeit für größere Einschläge in den letzten 250 Millionen Jahren leicht zugenommen, berechnete Coryn Bailer-Jones vom Max-Planck-Institut für Astronomie. Und selbst bei diesem Trend könnte es sich um ein Artefakt handeln – bedingt dadurch, dass die Krater im Laufe der Zeit erodieren und sich mit Sediment füllen.

Wenn Asteroiden, Kometen oder Teile davon mit hoher Geschwindigkeit auf die Erde treffen, können sie Krater mit Durchmessern von einhundert Kilometern oder mehr hinterlassen. Derzeit sind weltweit etwa 180 solcher Krater bekannt. Seit fast 30 Jahren werden immer wieder Studien veröffentlicht, die regelmäßige Schwankungen in der Einschlaghäufigkeit postulieren – mit Perioden zwischen 13 und 50 Millionen Jahren. Als mögliche Gründe für dieses Auf und Ab werden ein bislang unentdeckter Begleitstern der Sonne oder deren Bahn durch die Milchstraßenscheibe genannt.

Für Bailer-Jones weisen solche Behauptungen eher auf Schwierigkeiten bei der Anwendung der Statistik hin. „Die Menschen neigen dazu, Muster zu sehen, die gar nicht existieren“, so der Forscher. „Und in manchen Situationen kann traditionelle Statistik den Anwender leider in dieselbe falsche Richtung führen.“ Konkret spiele etwa die Auswahl der verschiedenen Arbeitshypothesen eine Rolle, aber auch die Art und Weise, wie man sich letztlich für oder gegen eine Hypothese entscheide.

Mithilfe der Bayes-Statistik, mit der sich gleichzeitig mehrere Hypothesen betrachten lassen, suchte Bailer-Jones, diese Stolperfallen zu umgehen. Der Astronom analysierte die Altersschätzungen für 59 Krater mit Durchmessern von mehr als 5 Kilometern, die in den letzten 250 Millionen Jahren geschlagen wurden. Darunter waren das Nördlinger Ries mit einem Durchmesser von etwa 19 Kilometern ebenso wie der 170 Kilometer große Chicxulub-Krater im Golf von Mexiko, der mit dem Verschwinden der großen Dinosaurier in Verbindung gebracht wird.

Auf Basis dieser Analyse lassen sich einfache periodische Variationen mit großer Sicherheit ausschließen, berichtet der Forscher in den „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“. Am ehesten passe vielmehr eine langsam, aber stetig wachsende Einschlagrate zu den Beobachtungsdaten. Doch auch dieses Modell stehe auf keinem sicheren Fundament, so Bailer-Jones: „Wenn wir nur Krater betrachten, die größer als 35 Kilometer und jünger als 400 Millionen Jahre sind und bei denen die Erosion daher eine geringere Rolle spielt, finden wir keine solche Tendenz.“

Forschung: Coryn A. L. Bailer-Jones, Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg

Veröffentlichung Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, DOI 10.1111/j.1365-2966.2011.19112.x; Preprint arXiv:1105.4100

WWW:
Coryn Bailer-Jones, MPI für Astronomie
Earth Impact Database
Der Satz von Bayes

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Viel Wärme nach großem Einschlag
Größter Einschlagkrater in der Sahara entdeckt

Posted in: Sonnensystem
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (6 Bewertungen, im Schnitt 4,83 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.