Posted in: Mond, Sonnensystem 3. August 2011 19:32 Weiter lesen →

Absturz eines kleineren Mondes

Grafik zeigt bläuliche Kugel, auf der eine zähflüssig wirkende kleinere Kugel einschlägt, gelbes Material wie einen flüssigen Kranz aufwerfend Die Erde hat in der Vergangenheit vielleicht mehr als einen Mond besessen. Diese Möglichkeit eröffnen Computersimulationen zweier schweizerischer und amerikanischer Astronomen. Bei den Gebirgen auf der erdabgewandten Seite des Mondes könnte es sich demnach um die Reste eines kleinen Mondes handeln, der auf sein größeres Geschwister stürzte.

Grafik: Martin Jutzi und Erik Asphaug

Ein solches Szenario füge sich nahtlos in die Vorstellung ein, der Mond selbst sei aus der Kollision eines kleineren Planeten mit der jungen Erde hervorgegangen, erklärt Erik Asphaug von der University of California in Santa Cruz. Als Folge einer solchen Kollision sollte nämlich – zusätzlich zu dem Baumaterial für den Mond – reichlich weiteres Trümmermaterial in die Umlaufbahn um die Erde gelangt sein.

Ende der 50er-Jahre hatte eine sowjetische Sonde erstmals Bilder von der erdabgewandten Seite des Mondes geliefert. Seitdem rätseln Planetenforscher, warum sich diese Seite mit ihren ausgedehnten Hochländern und ihrem Feldspatgestein so deutlich von der erdzugewandten Seite mit ihren flachen Tiefländern und „Meeren“ aus erstarrter Magma unterscheidet.

Die Computersimulationen Asphaugs und seines Kollegen Martin Jutzi, mittlerweile an der Universität Bern tätig, liefern eine neue Erklärung für den Kontrast zwischen den beiden Hemisphären. Die Astronomen gingen von einem nur etwa 1.200 Kilometer großen und vollständig erstarrten Objekt aus, das neben dem 3.500 Kilometer großen, teils noch von Magma erfülltem Mond um die Erde kreiste. Dieses Objekt ließen sie aus einer Position 60 Grad vor bzw. hinter dem Mond auf diesen stürzen.

Simulation: Der kleine Mond schlägt auf dem großen Mond auf.
Grafik: Center for Space and Habitability (CSH), Universität Bern

Aufgrund der geringen Einschlaggeschwindigkeit von kaum 2,5 Kilometern pro Sekunde entstand nicht etwa ein immenser Krater, berichten die Forscher im Magazin „Nature“. Vielmehr klatschte der kleine Mond wie ein nasser Lappen auf den großen Mond und hinterließ eine besonders mächtige Kruste auf der Einschlagseite. Zudem ließ er den Magmaozean unter der Oberfläche des Mondes auf die gegenüberliegende Seite schwappen, sodass dort Mantelmaterial zutage trat.

Das Ergebnis stimme mit den bisherigen Erkenntnissen über den Aufbau und die Gesteine des Mondes überein, so Asphaug weiter. Die Unterschiede in Terrain und Krustendicke ließen sich allerdings auch durch völlig andere Faktoren wie etwa Gezeitenkräfte oder ein regelrechtes Meteoriten-Bombardement erklären, betont Maria Zuber vom Massachusetts Institute of Technology in einem begleitenden Kommentar. „Die neue Studie liefert also nur Indizien und keine Beweise“, so die Geophysikerin. Dieser Ansicht stimmt auch Asphaug zu: „Natürlich versuchen wir Einschlagmodellierer immer, alles durch Kollisionen zu erklären.“

Forschung: Martin Jutzi und Erik Asphaug, Earth and Planetary Sciences Department, University of California, Santa Cruz, und Physikalisches Institut, Universität Bern

Veröffentlichung Nature, Vol. 476, 4. August 2011, p 69-72, DOI 10.1038/nature10289

WWW:
Weltraumforschung und Planetologie, Uni Bern
Homepage Erik Asphaug
Planetary Geology: The Moon

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
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