Posted in: Exoplaneten 12. August 2011 13:06 Weiter lesen →

Ein Planet als Lichtfalle

Grafik zeigt schwarzen Planeten mit rotglühenden Wolkenbändern vor gelber, brodelnder Sonne Eine nahezu perfekte Lichtfalle hat ein englisch-amerikanisches Forscherduo entdeckt. Ein Planet im Sternbild des Drachen schluckt demnach mehr als 99 Prozent des einfallenden Lichts. Als Resultat ist seine Tagseite kaum von seiner Nachtseite zu unterscheiden.

Grafik: David A. Aguilar (CfA)

Der Exoplanet mit der Bezeichnung TrES-2b reflektiere zwar deutlich weniger Licht als ein Stück Kohle, erläutert David Spiegel von der Universität Princeton. Da er von seinem Zentralgestirn auf mehr als 1.000 Grad Celsius aufgeheizt werde, sei er aber nicht vollkommen schwarz. „Er ist so heiß, dass er rötlich glüht, so wie Kohle im Feuer oder eine Heizwendel.“

Spiegel und sein Kollege David Kipping vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics nutzten das Weltraumteleskop Kepler, um mehr über TrES-2b erfahren. Der Exoplanet ist ein Gasriese vom Kaliber des Jupiter und kreist um einen sonnenähnlichen Stern in 750 Lichtjahren Entfernung von der Sonne. Dabei hält er einen Abstand von lediglich fünf Millionen Kilometern – entsprechend einem Dreißigstel des Radius der Erdbahn.

Die Umlaufbahn des Exoplaneten liegt so im Raum, dass man von der Erde aus abwechselnd auf seine Tag- bzw. Nachtseite blickt. Trotzdem schwankt die Gesamthelligkeit des Systems um lediglich sieben Millionstel, berichten die Forscher demnächst in den „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“. Sie schätzen daher, dass das Rückstrahlvermögen des Gasriesen, seine Albedo, höchstens 2,5 Prozent und wahrscheinlich sogar weniger als 1 Prozent beträgt. Zum Vergleich: Kohle bringt es auf 3 bis 5 Prozent.

„Wir wissen noch nicht, warum dieser Planet so außergewöhnlich dunkel ist“, so Spiegel weiter. In der Atmosphäre des hiesigen Jupiter gebe es helle Wolken aus Ammoniak, die einen großen Teil des einfallenden Sonnenlichts reflektierten. Die Gashülle des fernen Planeten sei jedoch viel zu heiß für solche Wolken. Stattdessen könnte sie stark absorbierende Bestandteile wie gasförmiges Natrium, Kalium oder Titanoxid enthalten.

Forschung: David M. Kipping, Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, Cambridge, Massachusetts, und David S. Spiegel, Department of Astrophysical Sciences, Princeton University, Princeton

Veröffentlichung Monthly Notices of the Royal Astronomical Society (im Erscheinen); Preprint arXiv:1108.2297

WWW:
Homepage David Kipping
David Spiegel, Princeton University
Extrasolar Planets Encyclopaedia: TrES-2
Albedo
Kepler Space Telescope

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