Posted in: Sterne 24. August 2011 14:48 Weiter lesen →

Lauwarme Beinahe-Sterne

Grafik zeigt dunkle, bläuliche Kugel mit unterschiedlich hellen Wolkenbändern vor sternbesetztem Hintergrund Die Entdeckung der kühlsten sternähnlichen Objekte vermelden amerikanische Astronomen. Mithilfe eines hochempfindlichen Weltraumteleskops konnten sie die Wärmestrahlung von sieben Braunen Zwergen nachweisen, die es teils nicht einmal auf die Siedetemperatur von Wasser bringen. Einer schafft gerade eben Raumtemperatur.

Grafik: NASA/JPL-Caltech

Alle sieben Zwerge sind zudem weniger als 50 Lichtjahre von der Sonne entfernt, ermittelten Michael Cushing vom Jet Propulsion Laboratory im kalifornischen Pasadena und seine Kollegen. „Es ist faszinierend, dass wir dort draußen Nachbarn haben, von denen wir bislang gar nichts wussten“, so der Astronom. Vielleicht finde man künftig ja sogar einen Braunen Zwerg, der näher an der Sonne liege als der nächste strahlende Stern.

Braune Zwerge entstehen vermutlich ähnlich wie strahlende Sterne beim Kollaps einer Gaswolke. Ihre Masse reicht aber nicht aus, um dauerhaft Kernfusion zu betreiben und so große Energiemengen freizusetzen. Mitunter werden diese „Beinahe-Sterne“ als Bindeglied zwischen leuchtenden Sternen und großen Gasplaneten wie dem Jupiter betrachtet. Mit den neu entdeckten Vertretern schließe sich die Lücke zwischen beiden Objektklassen zusehends, so Cushing und Kollegen.

Mithilfe des Infrarot-Weltraumteleskops WISE entdeckten die Forscher mehr als 100 kühle Objekte, die sich durch ihr Spektrum als Braune Zwerge ausweisen. Folgebeobachtungen mit mehreren großen Teleskopen im All und am Erdboden bestätigten diese Klassifizierung und erlaubten weitere Rückschlüsse auf Eigenschaften wie Temperatur und Masse. Demnach sind sieben der Neulinge nicht deutlich wärmer als 200 Grad Celsius und weisen den spektralen Fingerabdruck von Wasser, Methan und teils auch von Ammoniak auf. Sechs dieser Zwerge bringen es auf höchstens 180 Grad und werden von den Astronomen als erste bekannte Vertreter der Spektralklasse Y eingestuft. Ein extremer Vertreter dürfte nicht einmal 30 Grad warm sein.

„Die zuvor bekannten Braunen Zwerge entsprachen in ihrer Oberflächentemperatur in etwa einem Backofen“, formuliert Cushings Institutskollege Davy Kirkpatrick. „Mit den neuen Y-Zwergen haben wir die Küche verlassen und die kühleren Teile des Hauses erreicht.“

Forschung: Michael C. Cushing und J. Davy Kirkpatrick, Jet Propulsion Laboratory und Infrared Processing and Analysis Center, California Institute of Technology, Pasadena; Edward L. Wright, Department of Physics and Astronomy, University of California, Los Angeles; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal (im Erscheinen) und Astrophysical Journal Supplement Series (im Erscheinen); Preprints arXiv:1108.4678 und arXiv:1108.4677

WWW:
Astrophysics & Space Sciences, Jet Propulsion Laboratory
Brown Dwarfs
WISE

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Ein besonders kühler Nachbar
Kältester „Beinahe-Stern“ entdeckt

Posted in: Sterne
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (5 Bewertungen, im Schnitt 5,00 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.