Posted in: Galaxien 26. August 2011 14:54 0 Kommentare Weiter lesen →

Astronomen finden stotternde Galaxie

Bild zeigt dunkelblau-violette Flecken beiderseits einen winzigen hellen Punkts, schwarzer Hintergrund mit einzelnen Sternen Nicht nur altersschwache Motoren können ins Stottern geraten, demonstriert eine höchst ungewöhnliche Galaxie. Eine internationale Astronomengruppe hat entdeckt, dass die Spiralgalaxie binnen kurzer Zeit drei Mal begonnen hat, einen Strom beinahe lichtschneller Teilchen ins All zu schicken – nur um ihre Aktivität wenig später wieder einzustellen.

Bild: Hota et al., SDSS, NCRA-TIFR, NRAO/AUI/NSF

Wahrscheinlicher Ausgangspunkt des Teilchenstroms sei ein supermassereiches Schwarzes Loch im Zentrum der Galaxie, erläutert Ananda Hota von der Academia Sinica in Taiwan. Dass dieser galaktische Motor gleich drei Mal anspringe und wieder ausgehe, sei ein extrem seltenes Phänomen. “Wir haben es hier mit der wohl exotischsten Galaxie mit einem Schwarzen Loch zu tun, die jemals beobachtet worden ist”, so der Forscher.

Hota und Kollegen fanden die ungewöhnliche Galaxie, als sie Aufnahmen von optischen und Radioteleskopen verglichen. Dabei fiel ihnen eine Spiralgalaxie auf, die von zwei keulenförmigen, Radiostrahlung aussendenden Gebieten flankiert wird. Die Spitzen dieser “Radiokeulen” liegen rund 1 Million Lichtjahre auseinander.

Solche Emissionsgebiete sind typisch für ältere elliptische Galaxien und markieren vermutlich Teilchenströme, die von dem Schwarzen Loch im Kern der Galaxie entlang seiner Drehachse ausgesandt werden. Weitere Beobachtungen, unter anderem im ultravioletten Bereich, zeigten jedoch, dass die Spiralgalaxie reichlich neue Sterne bildet und insgesamt einen jugendlichen Eindruck macht.

Damit nicht genug, fanden die Astronomen auf hochauflösenden Radiobildern zwei weitere Paare von “Radiokeulen”. Das jüngste Paar hat eine Spannweite von 0,16 Millionen Lichtjahren, das älteste bringt es auf 4,2 Millionen Lichtjahre. Offenbar habe der Teilchenstrom der “Speca” getauften Spiralgalaxie in einem – nach kosmischen Maßstäben – kurzen Zeitraum mindestens drei Mal eingesetzt und sei wenig später wieder versiegt, folgern die Forscher.

Möglicherweise bestehe ein Zusammenhang zwischen der unsteten Aktivität des Schwarzen Lochs und der Sternentstehung in der Galaxie, so Hota und Kollegen. Nicht weniger spannend sei die Frage, warum das größte und älteste Keulenpaar überhaupt noch erkennbar sei. Eigentlich sollten die Teilchen in diesem Paar längst den größten Teil ihrer Energie verloren haben und daher keine Radiostrahlung mehr aussenden. Eine mögliche Erklärung für die Reaktivierung sehen die Forscher in Zusammenstößen mit einströmendem Gas, das die Speca-Galaxie und der zugehörige Galaxienhaufen aufgelesen haben.

Forschung: Ananda Hota, Institute of Astronomy & Astrophysics, Academia Sinica, Taipeh; Sandeep K. Sirothia, National Centre for Radio Astrophysics, Tata Institute of Fundamental Research, Pune; Youichi Ohyama, Department of Astronomy and Space Science, Chungnam National University, Daejeon; und andere

Veröffentlichung Monthly Notices of the Royal Astronomical Society: Letters, DOI 10.1111/j.1745-3933.2011.01115.x; Preprint arXiv:1107.4742

WWW:
Ananda Hota, Academia Sinica
Giant Metrewave Radio Telescope, NCRA
Radio Lobe Galaxies
Characteristics of Galaxy Classes

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