Posted in: Kosmos, Sterne 31. August 2011 19:07 Weiter lesen →

Alter Stern trotzt Theorie

Bild zeigt einige Sterne als weiße Lichtflecken auf schwarzem Hintergrund, einer davon mit einem grünen Pfeil markiert Europäische Astronomen haben einen Stern identifiziert, den es nach derzeitigem Verständnis nicht geben dürfte. Das Objekt im Sternbild Löwe besitzt weniger als vier Fünftel der Sonnenmasse und enthält so wenig Kohlenstoff und andere schwere chemische Elemente, dass er sich gar nicht erst hätte bilden dürfen.

Bild: ESO/Digitized Sky Survey 2

„Schon die Gas- und Staubwolken, aus denen ein solcher Stern entsteht, hätten sich gar nicht ausreichend verdichten können sollen“, erklärt Elisabetta Caffau vom Heidelberger Zentrum für Astronomie und vom Observatoire de Paris. Offenbar müsse man die gängigen Theorien zur Sternentstehung noch einmal überdenken, so die Forscherin.

Caffau und Kollegen nutzten das europäische Großteleskop-Observatorium in Chile, um den Stern mit der Katalognummer SDSS J102915+172927 zu studieren – so benannt nach den Koordinaten, an denen er ihm Rahmen einer groß angelegten Himmelsdurchmusterung gefunden worden war. Der Stern liegt in dem kugelförmigen Halo primitiver Sterne, der die Milchstraße einhüllt, und könnte mehr als 13 Milliarden Jahre alt sein.

Zu ihrer Verblüffung konnte die Gruppe bei ihrer ersten Analyse des von dem Stern abgestrahlten Lichts lediglich die beiden leichtesten Elemente, Wasserstoff und Helium, sowie Kalzium nachweisen. Erst im Laufe zusätzlicher Beobachtungen fanden sich dann auch minimale Spuren weiterer Elemente, deren Gesamtgehalt in dem Stern um den Faktor 20.000 unter dem Wert der Sonne liegen dürfte. Das Element Eisen dürfte sogar um den Faktor 100.000 seltener vorkommen, berichtet die Gruppe im Magazin „Nature“, Hinweise auf Lithium fehlen bislang gänzlich.

„Dass der Stern, den wir untersucht haben, so extrem metallarm ist, bedeutet, dass er aus der Frühzeit des Universums stammen muss“, erläutert Caffaus Kollege Lorenzo Monaco von der Europäischen Südsternwarte. „Er könnte einer der ältesten Sterne sein, die man jemals finden wird.“ Umso verblüffender sei es, dass der Lithiumanteil in SDSS J102915+172927 offenbar sehr viel niedriger sei als im Universum kurz nach dem Urknall.

Forschung: Elisabetta Caffau und Piercarlo Bonifacio, Zentrum für Astronomie der Universität Heidelberg, Landessternwarte, Heidelberg, und Laboratoire GEPI, Observatoire de Paris, CNRS/Université Paris Diderot, Meudon; Vanessa Hill, Observatoire de la Côte d’Azur, CNRS/Université de Nice-Sophia Antipolis, Nizza; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 477, 1. September 2011, pp 67-9, DOI 10.1038/nature10377

WWW:
Zentrum für Astronomie, Heidelberg
Laboratoire GEPI, Observatoire de Paris
Elemententstehung im frühen Universum
Metallicity
The Very Large Telescope Array

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Lithium verbrennt im Sonnenfeuer
Weniger „Metall“ im Sonnenfeuer

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