Posted in: Sonnensystem, Sterne 8. September 2011 14:59 Weiter lesen →

Sonneneruptionen mit Nachschlag

Bild zeigt in Blau bzw. Gelb zwei Ansichten einer Flare mit leuchtenden Bögen bei verschiedenen Wellenlängen Sonneneruptionen können mehr Energie freisetzen als bislang angenommen. Das zeigen Messungen eines amerikanischen Sonnenobservatoriums in der Erdumlaufbahn. Auf den typischen ersten Strahlungsblitz folgt demnach nicht selten ein erneuter Anstieg der Strahlungsintensität, der den Gesamtenergieausstoß der Eruption mehr als verdoppeln kann.

Bild: NASA/SDO/Tom Woods

„Jahrzehntelang haben wir uns bei Sonneneruptionen auf die Röntgenstrahlung konzentriert“, erklärt Thomas Woods von der University of Colorado. Umso erstaunlicher sei die Messung weiterer, mit einer Verzögerung von einigen Minuten bis mehreren Stunden auftretender Strahlungsmaxima gewesen. Tatsächlich habe man zunächst einen Fehler in den Messinstrumenten vermutet, so der Forscher.

Woods und Kollegen konnten das Phänomen bei fast jeder sechsten von 191 Sonneneruptionen beobachten, die das Solar Dynamics Observatory (SDO) der NASA seit Mai 2010 registriert und vermessen hat. Solche „Solar Flares“ treten auf, wenn Magnetfelder an der Sonnenoberfläche schlagartig ihre Anordnung verändern. Bei diesen magnetischen Kurzschlüssen werden neben energiereicher Strahlung auch elektrisch geladene Teilchen ins All geschleudert, die auf der Erde zu gestörten Funkverbindungen und im Extremfall zu Stromausfällen führen können.

Graph zeigt Verlauf der Strahlungsintensität mit erstem kurzen Ausschlag und zweitem gemächlichen Maximum Grafik: NASA/SDO/Tom Woods

Die von dem SDO-Satellit im 10-Sekunden-Takt gesammelten Strahlungsdaten zeigen, dass auf den initialen Anstieg der Strahlung im Röntgen- und Ultraviolettbereich mitunter noch ein zweiter folgt. Dieser Anstieg im extremen Ultraviolett bei Wellenlängen von einigen Zehn Nanometern ist zwar von geringerer Intensität als der erste, währt dafür aber umso länger. Ausgangspunkt dieser verspäteten Strahlung sind magnetische Bögen, die sich weit ins All erstrecken und in einiger Entfernung von dem eigentlichen Ort der Eruption liegen, fanden die Forscher.

Forschung: Thomas N. Woods und Rachel Hock, Laboratory for Atmospheric and Space Physics, University of Colorado, Boulder; Phillip C. Chamberlin und James A. Klimchuk, NASA Goddard Space Flight Center, Greenbelt; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal, Vol. 739(2), 59, DOI 10.1088/0004-637X/739/2/59

WWW:
Laboratory for Atmospheric and Space Physics, University of Colorado
Solar Dynamics Observatory
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