Posted in: Exoplaneten 14. September 2011 17:06 Weiter lesen →

Aufgedrehter Stern versengt seinen Planeten

Grafik zeigt Gasplanet mit Wolkenbändern mit einer Art Kometenschweif aus blauem Gas, dicht vor gelbem brodelnden Stern Planeten können ihrem Stern näher kommen, als gut für sie ist. Diesen Schluss legen Beobachtungen Hamburger Astronomen nahe. Ein unruhiger Stern in der galaktischen Nachbarschaft der Sonne gibt demnach intensive Strahlung ab, die an der Substanz seines Gasplaneten nagt.

Illustration: NASA/CXC/M.Weiss

„Dieser Planet wird von seinem Stern regelrecht gebraten“, erklärt Sebastian Schröter von der Sternwarte der Universität Hamburg. Allerdings sei es durchaus möglich, dass der Planet die Aktivität seines Gestirns anfache und somit nicht ganz unschuldig sei an seiner misslichen Lage, schreiben der Forscher und seine Kollegen im Fachblatt „Astronomy & Astrophysics“.

Die Hamburger Astronomen nutzten eines der europäischen Großteleskope in Chile und das Weltraumteleskop Chandra, um den Stern Corot-2A zu studieren. Vor wenigen Jahren war entdeckt worden, dass dieser Stern einen Planeten mit etwas mehr als dem Dreifachen der Jupitermasse besitzt. Der Gasriese scheint größer zu sein, als aufgrund seiner Masse zu erwarten, und umkreist seinen auffallend aktiven Stern in einer Entfernung von lediglich fünf Millionen Kilometern – einem Dreißigstel des Abstands der Erde von der Sonne.

Kompositbild zeigt violetten Fleck, dicht daneben ein kleinerer zweiter, schwarzer Hintergrund mit vereinzelten Sternen Corot-2A scheint einen deutlich jüngeren Begleitstern zu haben. X-ray: NASA/CXC/Univ of Hamburg/S.Schröter et al; Optical: NASA/NSF/IPAC-Caltech/UMass/2MASS, UNC/CTIO/PROMPT

Diese Nähe hat Konsequenzen. Die Beobachtungen der Forscher zeigten, dass Corot-2A jugendliche Aktivität an den Tag legt, obgleich er mit einem Alter von mindestens 100 Millionen Jahren seine Sturm-und-Drang-Phase bereits hinter sich haben sollte. Als Folge empfängt sein Planet rund 100.000 Mal intensivere Röntgenstrahlung als die Erde von der Sonne. Dieser Energieeintrag könnte den Planeten regelrecht aufblähen und pro Sekunde einige Millionen Tonnen Gas aus seiner Hülle herausschlagen.

Möglicherweise sei der Planet in größerer Entfernung von Corot-2A entstanden und erst allmählich an diesen herangerückt, so die Astronomen. Vermittelt durch Gezeitenkräfte, könnte er dabei Drehimpuls auf sein Zentralgestirn übertragen und dieses förmlich aufgedreht haben. „Wenn es den Planeten nicht gäbe, hätte der Stern seine jugendliche Unrast vielleicht schon vor Millionen von Jahren abgelegt“, so Schröters Kollege Stefan Czesla. Für diese Ansicht spreche nicht zuletzt die Entdeckung eines deutlich ruhigeren Sterns, der wahrscheinlich ein weites Doppelsternsystem mit Corot-2A bilde und daher zeitgleich mit diesem entstanden sein dürfte.

Forschung: Sebastian Schröter, Stefan Czesla und Jürgen Schmitt, Hamburger Sternwarte, Universität Hamburg; und andere

Veröffentlichung Astronomy & Astrophysics, Vol. 532, A3, DOI 10.1051/0004-6361/201116961; Preprint arXiv:1106.152

WWW:
Hamburger Sternwarte
Extrasolar Planets Encyclopaedia: Corot-2
The Very Large Telescope
Chandra X-ray Observatory

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