Posted in: Planeten 29. September 2011 20:00 Weiter lesen →

Narbiger Merkur

Farbverstärkte Aufnahme zeigt helle, bläuliche Vertiefungen an und zwischen Bergen in dunklem, rotbraunen Terrain Der Merkur ist keine vollkommen ausgedörrte und erstarrte Welt. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Forschergruppe nach der Entdeckung zahlreicher kleinerer Senken auf dem sonnennächsten Planeten. Die planetarischen Aknenarben entstehen möglicherweise, indem flüchtiges Material aus dem Untergrund entweicht.

Boden und Zentralberge im Raditladi-Einschlagbecken sind mit hellen Vertiefungen gespickt. Bild: NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Carnegie Institution of Washington

Viele der Senken sind von hellem, offenbar recht jungem Material umgeben, berichten David Blewett von der Johns Hopkins University und seine Kollegen im Magazin „Science“. Das reichliche Vorhandensein solcher Merkmale an der Merkuroberfläche lasse vermuten, dass die geologische Evolution des Planeten noch nicht abgeschlossen sei, so die Gruppe.

Blewett und Kollegen, darunter auch Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Berlin, analysierten Aufnahmen der Sonde Messenger. Die Sonde war im März dieses Jahres in die Umlaufbahn um den Merkur eingetreten und studiert ihn seitdem mit einer Reihe von Instrumenten – darunter ein Kamerasystem, das Bilder mit einer Auflösung von bis zu zehn Metern pro Bildpunkt liefert.

Diese Bilder zeigen in mehreren Regionen des Planeten flache Senken mit Durchmessern von einigen zehn Metern bis mehreren Kilometern. Mitunter treten die Vertiefungen in dichten Gruppen auf und lassen das Terrain dann förmlich verätzt erscheinen. Ihr Umriss ist rundlich, aber unregelmäßig, ein aufgewölbter Rand fehlt. Typischerweise liegen die Vertiefungen an den Böden, Wällen oder zentralen Erhebungen von Einschlagkratern oder größeren Becken.

Ein vulkanischer Ursprung sei aufgrund der Lage der Vertiefungen und des Lichtspektrums des hellen Materials wenig plausibel, so Blewett und Kollegen. Auch gelegentliche Gasausbrüche, wie sie als Ursache für die Ida-Struktur auf dem Erdmond diskutiert werden, könnten die beobachteten Eigenschaften nicht gänzlich erklären.

Nach Ansicht der Forscher könnten die Vertiefungen letztlich auf Material zurückgehen, das einst in mehreren Kilometern Tiefe lag, dann aber infolge von Einschlägen dicht unter die Oberfläche des Planeten gelangte. Von Druck entlastet und starken Temperaturschwankungen ausgesetzt, könnte sich ein Teil dieses Materials verflüchtigen und Hohlräume im Untergrund hinterlassen. Deren Einsturz könnten den Merkur mit Narben überziehen.

Forschung: David T. Blewett und Nancy L. Chabot, Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory, Laurel; James W. Head und Debra M. Hurwitz, Department of Geological Sciences, Brown University, Providence; Jürgen Oberst und Frank Scholten, Institut für Planetenforschung, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Berlin; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 333, 30. September 2011, pp 1856-8, DOI 10.1126/science.1211681

WWW:
Messenger
A Day on Mercury
Merkur

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Erstes Bild aus der Bahn um Merkur
Mögliche Gasausbrüche auf dem Mond

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