Posted in: Sonnensystem 4. Oktober 2011 21:57 Weiter lesen →

Komet mit gespaltener Persönlichkeit

Schwarzweiß-Bild zeigt länglichen Felsbrocken mit dicken Enden, kleine Krater, schemenhafte Gasströme Die hantelförmige Gestalt mancher Kleinplaneten ist vielleicht nicht allein ihrer Rotation geschuldet. Entsprechende Hinweise haben amerikanische und französische Forscher im Falle des Kometen Hartley 2 gefunden. Dessen zwei Hälften verhalten sich derart unterschiedlich, dass sie vielleicht erst nachträglich zueinandergefunden haben.

Bild: NASA/JPL-Caltech/University of Maryland

„Wir halten es für denkbar, dass die beiden Hälften des Kometen in unterschiedlichen Regionen des Sonnensystems entstanden sind“, erklärt Michael A’Hearn von der University of Maryland. Im Laufe einer gemächlichen Kollision seien die beiden Teile dann verschmolzen und der Bereich zwischen ihnen sei mit Staub und Eis bedeckt worden, so der Astronom.

Hartley 2 ist rund 1,5 Kilometer groß und kreist auf einer stark elliptischen Bahn, deren innerer Scheitelpunkt nahe der Erdbahn liegt, um die Sonne. Bei seiner letzten Annäherung an die Erde war er im November 2010 von der Sonde Deep Impact passiert und eingehend gemustert worden. Auf einer Fachtagung in Nantes stellen A’Hearn und seine Kollegin Lori Feaga nun die jüngsten Resultate ihrer Datenanalyse vor.

Gemessen an seiner Größe und an anderen Kometen wie Halley oder Tempel 1, den die Sonde fünf Jahre zuvor passiert hatte, ist Hartley 2 demnach geradezu hyperaktiv: In Sonnennähe stößt er große Mengen von Kohlendioxid aus, das bis dahin an und dicht unter seiner Oberfläche in Form von Trockeneis vorlag. Die kleinere Hälfte des Kometen speit deutlich mehr Gas aus als die größere, fanden die Forscher.

„Diese Heterogenität geht sehr wahrscheinlich auf eine unterschiedliche Zusammensetzung des Ursprungsmaterials zurück“, erläutert Feaga. Diese und weitere Eigenheiten – etwa die fleckenhafte Verteilung des Trockeneises an der Oberfläche und das Vorhandensein einer großen, von Wassereis bedeckten Region – sprächen für die Hypothese, dass es sich bei Hartley 2 um ein Verschmelzungsprodukt handle. „Möglicherweise müssen wir unsere Ansichten über die Entstehung der Kometen überdenken“, so A’Hearn.

Forschung: Lori Feaga und Michael F. A’Hearn, Department of Astronomy, University of Maryland, College Park; Olivier Groussin, Laboratoire d’Astrophysique de Marseille, Marseille; und andere

Präsentation auf dem EPSC-DPS Joint Meeting, Nantes; #EPSC-DPS2011-1342

WWW:
Astronomy Department, University of Maryland
EPOXI/Deep Impact
Laboratoire d’Astrophysique de Marseille
The Comet Primer
103P/Hartley 2

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