Posted in: Sonnensystem 26. Oktober 2011 19:00 0 Kommentare Weiter lesen →

Plutos strahlender Zwilling

Foto zeigt weißes Gebäude mit Teleskopkuppel unter sternbesetztem Nachthimmel Ein kosmisches Schattenspiel hat es Astronomen ermöglicht, ein eisiges Objekt am Rand des Sonnensystems zu vermessen. Mit einem Radius von etwa 1.160 Kilometern ist der ferne Zwergplanet Eris demnach praktisch genauso groß wie Pluto. Ursprünglich war er für deutlich größer gehalten worden und hatte so zur Aberkennung von Plutos Status als Planet beigetragen.

Mit dem 60-cm-TRAPPIST-Teleskop am La-Silla-Observatorium in Chile konnte der Schattenwurf von Eris registriert werden. Foto: E. Jehin und V. Chantry

Die neuen Resultate zeigten, dass Eris eines der hellsten Objekte im Sonnensystem sei, schreiben die Forscher um Bruno Sicardy vom Observatoire de Paris und José Luis Ortiz vom Instituto de Astrofísica de Andalucía im Magazin “Nature”. Größenschätzungen allein auf Basis der Helligkeit hätten daher einen zu hohen Wert geliefert. Eine denkbare Erklärung für das ungewöhnliche Reflexionsvermögen sei eine dünne Atmosphäre, die immer wieder zu einer frischen Eisschicht gefriere.

Eris war im Sommer 2005 entdeckt und nach der griechischen Göttin der Zwietracht benannt worden – eine Wahl, die durch den nachfolgenden Streit um die Definition eines Planeten mehr als gerechtfertigt wurde. Das Objekt ist derzeit rund 14,5 Milliarden Kilometer und damit 97 Mal so weit von der Sonne entfernt wie die Erde. Aufgrund dieser großen Entfernung ist es selbst für die stärksten Teleskope kaum mehr als ein Lichtfleck.

Sicardy, Ortiz und Kollegen nutzten eine alternative Messmethode. Die Forscher hatten entdeckt, dass Eris am 6. November 2010 vor einem Stern vorüberziehen würde, und organisierten Beobachtungen dieses Ereignisses an weltweit 26 Observatorien. Letztlich fiel der Schatten Eris’ nur auf zwei Observatorien in Chile. Die dort registrierte Helligkeitsabnahme des Sterns reichte jedoch aus, um den Radius von Eris zu 1.163 Kilometer mit einer Ungenauigkeit von 6 Kilometern zu bestimmen. Dagegen kann der Wert für Pluto mit seiner dünnen, aber störenden Atmosphäre derzeit nur auf 1.150 bis 1.200 Kilometer geschätzt werden.

Eris reflektiere also sehr viel mehr Sonnenlicht als bislang veranschlagt, folgern die Astronomen. Offen würden die Spuren von Mikrometeoriten und kosmischer Strahlung immer wieder ausgebessert. Eine mögliche Erklärung sei, dass der Zwergplanet, wenn er auf seiner stark elliptischen Bahn bis auf 5,7 Milliarden Kilometer an die Sonne herankomme, ebenfalls eine dünne Atmosphäre entwickle, die später wieder gefriere. “In diesem Fall wäre Eris derzeit ein schlummernder Zwilling des Pluto”, so die Forscher.

Forschung: Bruno Sicardy und Emmanuel Lellouch, LESIA-Observatoire de Paris, CNRS/Université Pierre et Marie Curie/Université Paris-Diderot, Meudon; José Luis Ortiz, Instituto de Astrofísica de Andalucía, CSIC, Granada; Stefano Mottola, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Berlin; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 478, 27. Oktober 2011, pp 493-6, DOI 10.1038/nature10550

WWW:
Au-delà de Neptune, Observatoire de Paris
The Eris Stellar Occultation of 6 November 2010
Instituto de Astrofísica de Andalucía
Dwarf Planets

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Eisiger Zwerg mit warmer Hülle
Fünfter Zwergplanet getauft
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