Posted in: Sonnensystem 16. November 2011 20:00 0 Kommentare Weiter lesen →

Fliegende Geröllhalde

Falschfarbenbild zeigt hellen weißen Lichtfleck vor verrauscht wirkendem, dunkelblauen Hintergrund Viele Asteroiden ähneln eher Geröllhalden denn massiven Felsbrocken. Diese Ansicht bestätigen Beobachtungen, die europäische Forscher kurz nach dem jüngsten Vorbeiflug eines Asteroiden an der Erde durchgeführt haben. Demnach ist das Objekt deutlich kleiner als bislang angenommen und dürfte aus lose aneinanderhängenden Gesteinsbrocken bestehen.

Bild: MPE/ESAC

Der Asteroid mit der Bezeichnung 2005 YU55 hatte die Erde in der Nacht vom 8. auf den 9. November knapp innerhalb der Mondbahn in einer Entfernung von etwa 325.000 Kilometer passiert. Seine künftige Bahn lasse sich anhand der neuen Erkenntnisse besser vorausberechnen als zuvor, so die Forscher um Thomas Müller vom Garchinger Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik. Innerhalb des vorhersagbaren Zeitraums von einigen Jahrzehnten bestehe keine Kollisionsgefahr.

Müller und seine Kollegen vom Astronomiezentrum der Europäischen Weltraumagentur ESA bei Madrid nutzten das Weltraumteleskop Herschel für ihre Beobachtungen. Um den sich rasch über den Himmel bewegenden Asteroid überhaupt ablichten zu können, mussten die Forscher allerdings einen Trick anwenden: Sie ließen Herschel auf eine Region starren, die 2005 YU55 nach seiner Erdpassage durcheilte. Die mehr als 3.500 Einzelaufnahmen im Infrarotbereich kombinierten sie dann rechnerisch zu einem einzigen, perfekt fokussierten Bild.

Aus der beobachteten Helligkeit schließen Müller und Kollegen, dass 2005 YU55 höchstens 340 Meter groß ist. Im letzten Jahr angestellte Radarmessungen hatten dagegen einen Wert von rund 400 Meter ergeben. Die Tatsache, dass der Asteroid nur sechs Prozent des einfallenden Sonnenlichts reflektiert, passt dagegen zu früheren Beobachtungen. Demnach besteht der Asteroid aus dunklem, stark kohlenstoffhaltigem Material – so wie etwa drei Viertel aller genauer untersuchten Asteroiden.

Und auch in einer weiteren Eigenschaft ist 2005 YU55 keine Ausnahmeerscheinung: Die Geschwindigkeit, mit der sich seine Oberfläche im Sonnenlicht erwärmt und im Schatten wieder abkühlt, erinnert an den Asteroiden Itokawa. Dieser war von einer japanischen Raumsonde aus nächster Nähe studiert worden und in der Folge als fliegende Geröllhalde charakterisiert worden. Ähnliches gelte wohl auch für 2005 YU55, folgern die Forscher.

Forschung: Thomas Müller, Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, Garching; Mark Kidger und Bruno Altieri, European Space Astronomy Centre, Villanueva de la Cañada; und andere

WWW:
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik
European Space Astronomy Centre
Bahndiagramm 2005 YU55
Asteroids
Herschel

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Asteroid wird kräftig durchgeschüttelt
Doppel-Asteroid ohne Rückgrat

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