Posted in: Galaxien, Sterne 1. Dezember 2011 15:54 Weiter lesen →

Ein Wurf Riesensterne

Bild zeigt rötlich glimmende Gasmassen, darin einige kleinere und ein großer schwarzer Hohlraum vor sternbesetztem Hintergrund Eine dichte Ansammlung von Sterngiganten haben kanadische Astronomen in der Milchstraße entdeckt. Die stellaren Schwergewichte sind vermutlich auf einen Schlag entstanden und senden neben intensiver Strahlung auch einen starken Sternwind aus. Auf diese Weise haben sie ein veritables Loch in die Scheibe der Galaxis gebrannt.

Bild: NASA/JPL-Caltech/GLIMPSE Team/Mubdi Rahman

„Diese Sterne leuchten unglaublich hell, sind aber schlecht zu sehen“, erklärt Mubdi Rahman von der Universität Toronto. Die Gruppe sei gut 30.000 Lichtjahre von der Sonne entfernt, sodass ihr sichtbares Licht auf dem Weg zu irdischen Teleskopen von dichtem Staub in der Milchstraßenebene geschluckt werde. Durch Beobachtungen im Infrarotbereich, in dem sich Staub weniger stark auswirkt, konnten die Forscher nun mehr über die fernen Giganten herausfinden.

Bereits im letzten Jahr war Rahman und seinen Kollegen eine Region in der Milchstraßenscheibe aufgefallen, die reichlich Strahlung im Mikrowellenbereich aussendet. Es zeigte sich, dass diese Strahlung von energetisch angeregtem Gas stammt, das eine mehr als vierhundert Lichtjahre große und selbst weitgehend gasfreie Blase umgibt. In dieser Blase konnten die Forscher rund 400 Sterne ausmachen.

Die Astronomen nutzten nun das europäische New Technology Telescope in Chile, um 50 Sterne in der Gruppe genauer unter die Lupe zu nehmen. Ihre Beobachtungen im Nahinfrarot ergaben, dass 15 der untersuchten Sterne zur Spektralklasse O gehören: Solche Sterne können es auf 50 oder mehr Sonnenmassen bringen und strahlen sehr intensiv. Außerdem sind sie sehr schnelllebig – entsprechend fanden sich drei weitere Schwergewichte, die in ihrer Entwicklung schon weiter fortgeschritten sind.

Auf jeden Riesen in der Gruppe kämen wahrscheinlich Tausende eher durchschnittlicher, schwächer leuchtender Sterne, so Rahman weiter. Die gesamte Sternassoziation schätzen der Forscher und seine Kollegen daher auf eine Masse von rund einhunderttausend Sonnen. Über kurz oder lang dürften sich die Sterne aber zerstreuen, da die zwischen ihnen wirkende Schwerkraft zu schwach für einen dauerhaften Zusammenhalt ist.

Forschung: Mubdi Rahman, Dae-Sik Moon und Christopher D. Matzner, Department of Astronomy & Astrophysics, University of Toronto

Veröffentlichung Astrophysical Journal Letters, Vol. 743(2), L28, DOI 10.1088/2041-8205/743/2/L28; Preprint arXiv:1111.3362

WWW:
Astronomy & Astrophysics, University of Toronto
Stellar Associations
The Milky Way Galaxy
ESO New Technology Telescope

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