Posted in: Raumfahrt, Technik 20. Januar 2012 19:01 0 Kommentare Weiter lesen →

Zündeln im Weltraum

Foto zeigt ATV als weißen Zylinder mit Andockstutzen und vier Solarpaneelen in Form eines Andreaskreuzes Ein internationales Forscherteam hat erstmals die Erlaubnis erhalten, in einem Raumfahrzeug gezielt Feuer zu legen. Die Gruppe, darunter auch Bremer Wissenschaftler, will mit ihrem Experiment herausfinden, wie sich Brände unter den Bedingungen der Beinahe-Schwerelosigkeit entwickeln – und wie sie sich am besten verhindern lassen.

Die Automated Transfer Vehicles nehmen mehr als 6 Tonnen Fracht auf. Foto: NASA

Das Experiment soll an Bord eines unbemannten europäischen Raumtransporters stattfinden, wenn dieser auf dem Rückweg von der Internationalen Raumstation ISS ist. Aus den Resultaten erhoffen sich die Forscher vom Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation der Universität Bremen und ihre Kollegen unter anderem Aufschluss darüber, wie gut Tests am Erdboden die Entflammbarkeit von Materialien während des Raumflugs widerspiegeln.

Ein Brand an Bord eines bemannten Raumschiffs hätte verheerende Folgen. Daher werden beispielsweise die Textilien der Astronautenkleidung sowie Isoliermaterialien vor dem Einsatz auf ihre Entflammbarkeit getestet. Bei einem von der NASA entwickelten Test wird eine senkrecht hängende Probe des Materials am unteren Ende angezündet. Verlischt die Probe nach Ausschalten der Zündquelle wieder, breitet sich der Brand nicht weiter als 15 Zentimeter aus und fallen keine glimmenden Teile ab, gilt der Test als bestanden.

Bei Schwerelosigkeit verhalten sich Flammen völlig anders als gewohnt, da warme Luft trotz ihrer geringeren Dichte nun nicht mehr leichter ist als kalte Luft. Damit entfällt der Kamineffekt, durch den normalerweise frische Luft angesaugt wird und heiße Abgase abgeführt werden. Die Folge: Ein Brand kann kleiner bleiben und sich langsamer entwickeln, allerdings auch länger unentdeckt bleiben und höhere Temperaturen erreichen. Der Versuch soll klären, wie sich diese Faktoren unter realen Bedingungen auswirken.

Als Versuchsgelände haben die Forscher einen automatischen Raumtransporter (ATV) der europäischen Raumfahrtagentur ESA ausgewählt. Die ATV bringen Nachschub und Ausrüstung zur Raumstation ISS und nehmen dort wiederum Abfälle auf. Nach dem Abkoppeln werden sie ohnehin in der Erdatmosphäre zum Verglühen gebracht, sodass selbst ein unerwartet starker Versuchsbrand letztlich keinen Schaden anrichten würde.

Lediglich die Triebwerke müssen für ein wunschgemäßes Ende der Mission funktionstüchtig bleiben – ein Kriterium, das die ESA nun als erfüllbar eingestuft hat. Gesetzt den Fall, dass die nötigen Vorbereitungen bis dahin abgeschlossen sind, könnte das brenzlige Experiment bereits im Jahr 2013 während der ATV-Mission 4 durchgeführt werden.

WWW:
Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation, Uni Bremen
ESA Automated Transfer Vehicle
NASA Technical Standard 6001B
Not Just Another Old Flame

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Blasen steigen lassen in Schwerelosigkeit

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