Posted in: Planeten 10. Februar 2012 19:15 Weiter lesen →

Unstete Venus

Graustufenbild zeigt Venus-Topographie Verglichen mit ihrer Nachbarin, der Erde, ist die Venus möglicherweise ein sehr unsteter Planet. Entsprechende Hinweise liefert eine Analyse von Sondendaten, die deutsche, französische und italienische Planetenforscher durchgeführt haben. In den letzten 16 Jahren scheinen die Tage auf der Venus um mehrere Minuten länger geworden zu sein.

Bilder: NASA/JPL/Magellan/P. Ford/ESA/Venus Express/P. Drossart/G. Piccioni

Seit der letzten präzisen Vermessung durch die Sonde Magellan hat sich der Planet etwas weniger weit gedreht als erwartet, fanden Nils Müller von der Universität Münster und vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und seine Kollegen. Eine mögliche Erklärung liege in langfristigen Wetterzyklen in der extrem dichten Atmosphäre, schreiben die Forscher im Fachblatt „Icarus“.

Die Venus gilt als höllische Schwester der Erde. Einerseits ähnelt sie dem blauen Planeten in vielen Punkten. Andererseits hüllt sie sich in eine rund 90 Mal dichtere Gashülle, die hauptsächlich aus Kohlendioxid besteht und mit ihrem starken Treibhauseffekt für Temperaturen von über 450 Grad Celsius sorgt. In den 90er-Jahren hatte die amerikanische Sonde Magellan mit ihrem Radar den dichten Schleier durchdringen und die Oberfläche der Venus detailliert kartieren können.

Graustufenbild zeigt Venus-Topographie Bilder: Bilder: NASA/JPL/Magellan/P. Ford/ESA/Venus Express/P. Drossart/G. Piccioni

Müller und Kollegen analysierten nun Beobachtungsdaten der europäischen Sonde Venus Express, die den Planeten seit dem Jahr 2006 umkreist. Mit ihrem Infrarotspektrometer VIRTIS kann die Sonde ebenfalls einen Blick durch die dichte Gashülle erhaschen. Beim Abgleich der Daten fanden die Forscher, dass markante Oberflächenstrukturen der erwarteten Position um bis zu 20 Kilometer hinterherhinken. Der Unterschied entspricht einer Tageslänge, die ungefähr 7 Minuten größer ist als der Wert von 243,0185 Erdtagen, der anhand der Magellan-Daten errechnet worden war.

„Als es sich zeigte, dass die beiden Karten nicht deckungsgleich sind, dachte ich zuerst an einen Fehler in meinen Berechnungen“, so Müller. In der Folge hätten er und seine Kollegen jedoch alle denkbaren Fehlerquellen ausschließen können. Auch die Tageslänge der Erde schwankt unter dem Einfluss von Winden und Gezeiten um wenige Millisekunden. Auf der Venus scheint die Variabilität scheint jedoch um den Faktor 1.000 stärker zu sein.

Forschung: Nils Müller und Jörn Helbert, Institut für Planetologie, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, und Institut für Planetenforschung, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Berlin; Pierre Drossart, LESIA, Observatoire de Paris; und andere

Veröffentlichung Icarus, Vol. 217(2), pp 474–83, DOI 10.1016/j.icarus.2011.09.026

WWW:
Institut für Planetenforschung, DLR
Institut für Planetologie, Uni Münster
The Magellan Venus Explorer’s Guide
Venus Express
VIRTIS

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