Posted in: Sterne 15. Februar 2012 19:29 0 Kommentare Weiter lesen →

Echos eines stellaren Ausbruchs

Der Carinanebel

Mitte des 19. Jahrhunderts verfolgten Astronomen, wie ein Stern am Nachthimmel seine Helligkeit jäh vervielfachte und schließlich wieder verblasste. Mehr als 160 Jahre später ist es amerikanischen Forschern gelungen, Lichtechos dieses Ausbruchs aufzufangen und zu analysieren. Trotz der immensen Helligkeit scheint das Ereignis deutlich kühler gewesen zu sein als vermutet.

Bild: Der Carinanebel, Quelle: NASA

Damit lasse sich auch die bislang favorisierte Erklärung für die große Eruption des Systems Eta Carinae nicht mehr ohne Weiteres anwenden, folgern Armin Rest vom Space Telescope Science Institute in Baltimore und seine Kollegen im Magazin “Nature”. “Die Spektren der Lichtechos lassen vermuten, dass es sich nicht bloß um ein extremes, sondern um ein gänzlich einzigartiges Objekt handelt.”

Eta Carinae gilt heute als Prototyp einer Klasse veränderlicher Sterne mit besonders starken Helligkeitsschwankungen. Das System im südlichen Sternbild des Schiffskiels bringt es auf über 100 Sonnenmassen und ist rund 7.500 Lichtjahre von der Sonne entfernt. Im 17. Jahrhundert war es für Städter gerade eben mit bloßem Auge erkennbar. Bis ins 19. Jahrhundert verzehnfachte es seine Helligkeit allmählich und dann schlagartig noch einmal, sodass es von 1838 bis 1858 als zweithellster Stern am Himmel strahlte. Seitdem ist es wieder verblasst und war lange Zeit sogar nur per Feldstecher oder Teleskop auszumachen.

Rest und Kollegen nutzten mehrere Teleskope in Chile, um über einen Zeitraum von acht Jahren immer wieder große Gasnebel in der Umgebung von Eta Carinae zu beobachten. Die Forscher fanden, dass mehrere Nebelbereiche in einem Rhythmus heller und wieder dunkler wurden, der gut den Verlauf der großen Eruption im 19. Jahrhundert widerspiegelt. Daher dürfte es sich um Licht des Ausbruchs handeln, das an den Nebelmassen reflektiert worden ist und einen mehr als 160 Lichtjahre längeren Weg zur Erde hatte.

Bei ihrem großen Ausbruch dürfte Eta Carinae etwa das Zehnfache der Sonnenmasse ins All geschleudert haben – unter anderem in Form eines sehr intensiven Sternwinds. Ein Modell für die Eruption geht davon aus, dass dieser dichte Sternwind das System wie ein weiter Mantel einhüllte und durch dessen Strahlung auf mindestens 6.700 Grad Celsius aufgeheizt wurde. Die Spektren der Lichtechos lassen dagegen nur auf eine Temperatur von etwa 4.700 Grad schließen, berichten Rest und seine Kollegen.

Darüber hinaus unterscheiden sich die Spektren der Lichtechos deutlich von denen anderer veränderlicher Sterne, deren starke Helligkeitsausbrüche fast schon an Supernovae erinnern. Eta Carinae und ihre große Eruption könnten daher wohl nicht als beispielhaft für diese Sternklasse angesehen werden, so die Forscher. “Wodurch die Explosion ausgelöst wurde und warum der enorme Masseverlust den Stern nicht zerstört hat, ist weiterhin ungeklärt.”

Forschung: Armin Rest, Space Telescope Science Institute, Baltimore; José L. Prieto, Carnegie Observatories, Pasadena, und Department of Astrophysical Sciences, Princeton University; Kaisey S. Mandel, Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, Cambridge, Massachusetts, und Blackett Laboratory, Imperial College London; und andere; Veröffentlichung in “Nature”, Vol. 482, 16. Februar 2012, pp 375-8, DOI 10.1038/nature10775

WWW:
Space Telescope Science Institute
- Webcast: Spectroscopy of Light Echoes from Eta Carinae’s 19th-Century Great Eruption
History of Eta Carinae
The Carina Nebula – An Image Tour

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