Posted in: Galaxien, Sterne 16. Februar 2012 08:16 0 Kommentare Weiter lesen →

Karge Mittelklasse

Teleskopaufnahme zeigt eine strahlende Galaxie als flache, beinahe von der Seite gesehene Scheibe mit zentralem Wulst, Staubschwaden und einer hellblau strahlenden Lichtquelle Die Herkunft eines rätselhaften „mittelschweren“ Schwarzen Lochs glaubt eine internationale Astronomengruppe erklären zu können. Das ferne Objekt scheint reichlich Gas aus der Umgebung zu verschlingen und zusätzlich von einem Schwarm junger Sterne umgeben zu sein. Daher könnte es sich um den Kern einer Zwerggalaxie handeln, die von einer größeren Schwester vereinnahmt worden ist.

Bild: NASA, ESA, and S. Farrell (Sydney Institute for Astronomy, University of Sydney)

Ausgehend vom Alter der umgebenden Sterne, dürfte sich diese Verschmelzung vor weniger als 200 Millionen Jahren ereignet haben, schätzen die Forscher um Sean Farrell von der Universität Sydney und Mathieu Servillat vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics im amerikanischen Cambridge. Dieser nach kosmischen Maßstäben kurze Zeitraum erkläre vielleicht, warum über Schwarze Löcher mittlerer Masse bislang nur wenig bekannt sei, so Servillat: „Ihre Seltenheit könnte darin begründet liegen, dass sie nur kurze Zeit sichtbar sind.“

Erst seit Kurzem haben Astronomen konkrete Hinweise auf Schwarze Löcher mit einigen Tausend Sonnenmassen – sehr viel mehr als die Überreste kollabierter Riesensterne und zugleich sehr viel weniger als die supermassereichen Exemplare in den Zentren großer Galaxien. Einer der bislang besten Kandidaten liegt 290 Millionen Lichtjahre von der Sonne entfernt in der Spiralgalaxie ESO 243-49: Dort hatte eine Gruppe um Farrell vor wenigen Jahren eine extrem helle Quelle von Röntgenstrahlung ausgemacht, die weit über der Scheibe der Galaxie steht.

Die Astronomen nutzten die Weltraumteleskope Hubble und Swift, um das ferne Objekt mit der Bezeichnung HLX-1 im ultravioletten, sichtbaren und infraroten Licht zu studieren. Ein Teil der ausgesandten Strahlung scheint demnach von großen Mengen Gas zu stammen, das auf immer enger werdenden Bahnen um die Schwerkraftfalle kreist und sich dabei stark aufheizt. Außerdem scheint die Röntgenquelle von einem dichten Haufen junger Sterne umgeben zu sein, fanden die Forscher.

Diese Befunde ließen sich durch ein Verschmelzungsszenario erklären, so Farrell, Servillat und Kollegen. Das mutmaßliche Schwarze Loch könnte demnach den relativ kleinen Kern einer vereinnahmten Zwerggalaxie darstellen. Diese habe bei der Verschmelzung zwar ihre ursprünglichen Sterne verloren. Das bei dem Ereignis verdichtete interstellare Gas habe jedoch reichlich Rohmaterial für die schlagartige Entstehung neuer Sterne geliefert und speise heute den Materiestrudel.

Forschung: Sean Farrell und Klaas Wiersema, Sydney Institute for Astronomy, University of Sydney, und Department of Physics and Astronomy, University of Leicester; Mathieu Servillat, Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, Cambridge, Massachusetts; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal Letters (im Erscheinen); Preprint arXiv:1110.6510

WWW:
Sydney Institute for Astronomy
Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics
Black Holes

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Schwarze Löcher: Magere Mittelschicht
Mittelschwere Einzelgänger

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