Posted in: Mond 19. Februar 2012 19:00 Weiter lesen →

Junge Risse im Mond

Blick auf flache, breite Gräben in der Nähe eines erodierten Kraters mit sanften Konturen, blaue bis rote Färbung zeigt Höhe Gut 4,5 Milliarden Jahre nach seiner gewaltsamen Entstehung ist der Mond noch immer nicht zur Ruhe gekommen. Diesen Schluss legen hochauflösende Kameraaufnahmen nahe. Amerikanische Planetenforscher haben darauf feine Dehnungsrisse in der Mondoberfläche entdeckt, die teils weniger als 50 Millionen Jahre alt sein dürften.

Im Umfeld des mehr als 40 Kilometer großen Kraters Virtanen finden sich besonders weite und lange Gräben. Bild: NASA/GSFC/Arizona State University/Smithsonian Institution

„Diese Entdeckung stellt vielleicht einen Widerspruch zu der Annahme eines vollständig aufgeschmolzenen jungen Mondes dar“, folgern die Forscher um Thomas Watters von der Smithsonian Institution. Wenn eine geschmolzene Gesteinskugel auskühle und schrumpfe, sollte ihre erstarrte Kruste nämlich so stark zusammengedrückt werden, dass sich keine derartigen Gräben bilden könnten, schreibt die Gruppe im Fachblatt „Nature Geoscience“.

Watters und Kollegen stützen ihre Schlussfolgerungen auf hochauflösende Bilder, die die Sonde Lunar Reconnaissance Orbiter in den letzten drei Jahren aus der Mondumlaufbahn gemacht hat. Bei der Analyse der Aufnahmen hatten die Forscher bereits eine Reihe von höchstens 1 Milliarde Jahre alten Bruchstufen entdeckt, an denen sich offenbar Teile der Kruste um den schrumpfenden Mond übereinandergeschoben haben.

Auf den Bildern entdeckten die Planetologen aber auch Risse, wie sie entstehen, wenn die Kruste gedehnt wird und nachgibt. Diese Gräben finden sich im dunklen Basalt der Mondmeere ebenso wie am Grund großer Einschlagkrater und in den Hochländern des Mondes. Das mit Abstand größte Exemplar liegt auf der erdabgewandten Seite und bringt es bei einer Länge von einigen Kilometern auf eine Breite von 500 Metern.

Blick auf schmale Gräben, die kleinere, mit weißen Pfeilen markierte Krater schneiden Am Südrand des Mare Humorum schneiden Gräben zwei 7 bzw. 27 Meter große Krater. Bild: NASA/GSFC/Arizona State University/Smithsonian Institution

Obwohl die Gräben nur wenige Meter tief sind, erscheinen ihre Konturen so scharf, dass sie noch nicht sehr lange der Erosion durch Mikrometeoriten und kosmische Strahlung ausgesetzt sein können. Zudem sind viele kleine und damit junge Krater nachträglich beim Aufreißen eines Grabens verformt worden. Umgekehrt überdecken nur wenige große und alte Krater einen der neu entdeckten Gräben.

Einige der Dehnungsrisse liegen in so großem Abstand von einer Bruchstufe, dass sie nach Ansicht von Watters und Kollegen nicht auf die jähe regionale Entspannung der Kruste zurückgeführt werden können. Grundsätzlich könnte die Kruste auch durch aufsteigende Magma gedehnt worden sein, so die Forscher. Für einen entsprechend jungen Vulkanismus gebe es allerdings keine direkten Belege. In jedem Fall demonstrierten die jungen Gräben, dass der Mond noch immer tektonisch aktiv sei und dass seine Kruste unter weniger starker Druckspannung stehe als häufig angenommen.

Forschung: Thomas R. Watters, Center for Earth and Planetary Studies, Smithsonian Institution, Washington, D. C.; Mark S. Robinson, School of Earth and Space Exploration, Arizona State University, Tempe; und andere

Veröffentlichung Nature Geoscience, 19. Februar 2012, DOI 10.1038/ngeo1387

WWW:
Center for Earth and Planetary Studies, Smithsonian Institution
Lunar Reconnaissance Orbiter Camera
Mond
Horsts and Grabens

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1 Kommentar zu "Junge Risse im Mond"

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  1. egon händler sagt:

    hoffentlich fliegt ein stück nicht auf die erde