Posted in: Galaxien, Kosmos 7. März 2012 16:59 4 Kommentare Weiter lesen →

Entdeckt: Ein „übersehener“ Galaxienhaufen

Grafik zeigt Karte des Galaxienhaufens als blau bis rot verlaufende Konturen der Flächendichte der Galaxien Einen der ersten Galaxienhaufen des Universums hat eine internationale Astronomengruppe aufgespürt. Das immense Objekt ist rund 10,5 Milliarden Lichtjahre von der Milchstraße entfernt. Sein Licht erreicht irdische Teleskope daher aus einer Zeit, zu der das Universum lediglich ein Fünftel seines heutigen Alters hatte.

Grafik: Swinburne University

„Dass dieser Galaxienhaufen nicht früher entdeckt wurde, ist eine echte Überraschung“, erklärt Ivo Labbé von der Universität Leiden. „Schließlich liegt er in doch in einem der bestuntersuchten Himmelsgebiete, gewissermaßen direkt vor unseren Augen.“

Jüngste Beobachtungen des Gebiets im Sternbild Löwe hatten zumindest erste Hinweise auf eine größere Materieansammlung geliefert. Mit einer trickreichen Beobachtungstechnik konnten Labbé und Kollegen dort nun eine Anhäufung von mindestens 33 Galaxien ausmachen, von denen die meisten mindestens 1 Milliarde Jahre alt sein dürften. Ihre Entdeckung stellen die Forscher im Fachblatt „Astrophysical Journal Letters“ vor.

2 Bilder zeigen Himmelsausschnitt mit weniger bzw. mehr Lichtflecken Viele der Haufengalaxien sind selbst für das Weltraumteleskop Hubble (links) nicht detektierbar. Bilder: Carnegie Institution

Für ihre Entdeckung nutzten Labbé und Kollegen die Tatsache aus, dass das Licht vieler Galaxien jäh heller wird, wenn die Wellenlänge einen Wert von etwa 400 Nanometern überschreitet. Daher beobachteten die Forscher das Gebiet nacheinander durch mehrere relativ engbandige Infrarotfilter. Tatsächlich waren viele Objekte auf einigen Aufnahmen gut erkennbar, auf anderen dagegen gar nicht. Sehr wahrscheinlich handelt es sich also um Galaxien, die so weit entfernt sind, dass ihr Licht durch die Ausdehnung des Raums bis in den Infrarotbereich gedehnt worden ist.

Angesichts des frühen Zeitpunkts stehe der Haufen wohl noch am Anfang seiner Entwicklung, erklärt Labbés Kollege Lee Spitler von der australischen Swinburne University. „Er ist noch sehr jung und sollte sich zu einer extrem dichten Struktur entwickeln, die durchaus einige Tausend Galaxien umfassen kann.“

Forschung: Lee R. Spitler, Centre for Astrophysics & Supercomputing, Swinburne University, Hawthorne; Ivo Labbé, Carnegie Observatories, Pasadena, und Sterrewacht Leiden, Universiteit Leiden; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal Letters (im Erscheinen); Preprint arXiv:1112.2691

WWW:
The Z-FOURGE Survey
Candidate Cluster at z=2.2
Galaxienhaufen

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Ein Dia des jungen Universums
Früher Galaxienhaufen entdeckt

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4 Kommentare zu "Entdeckt: Ein „übersehener“ Galaxienhaufen"

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  1. Erstling sagt:

    Übersehen. Ts. Klar, ist ja auch echt ein Big Deal dieses ganze Universum-Ding, mit all seinen Zwergen und Neutronensternen und evtl. Branen und n Haufen weiteres Zeugs. Aber wie wollen die denn Gravitationswellen ausfindig machen, wenn es nicht mal gelingt, n paar Parsec Raum zu kartographieren?!

  2. mohikaner sagt:

    > Aber wie wollen die denn Gravitationswellen ausfindig machen,…<

    Niemand kann Gravitationswellen ausfindig machen oder detektieren. Zumindest nicht mit Laserinterferometern wie LIGO, GEO600 u.s.w.
    Es stellt sich mir die Frage wie eine Interferenz beim Durchgang einer Gravitationswelle entstehen soll. Denn nach meinem Verständnis der Relativitätstheorie ist die Ausbreitung des Lichts an die Raumzeit gekoppelt.
    Schön zu beobachten am Gravitationslinseneffekt der im Universum nicht gerade selten zu finden ist. Das Licht folgt der Krümmung / Verzerrung des Raumes.
    Auch ist die Lichtgeschwindigkeit nach der Relativitätstheorie immer und überall konstant. Wenn ich mich in einem Gebiet mit sehr hoher Gravitation aufhalte, so messe ich die selbe Lichtgeschwindigkeit wie in einem Gebiet mit sehr geringer Gravitation.
    Wenn aber ein externer Beobachter ein Gebiet mit sehr hoher Gravitation betrachtet, wird er zwei Dinge feststellen:
    1. es gibt laut Relativitätstheorie eine Längenänderung der Objekte, sie erscheinen gestaucht (kann man das nachweisen?)
    2. die Zeit in diesem Gebiet vergeht langsamer (wurde bereits experimentell bewiesen), somit wird auch das Licht dieses Gebiet scheinbar langsamer durchqueren denn sonst gäbe es im All unterschiedliche Lichtgeschwindigkeiten
    Daraus folgt: Wenn die Raumzeit gekrümmt oder verzerrt wird, so folgt das Licht dieser Verzerrung. Anders sind die Zeitdehnung und die, theoretische, Längenänderung nicht zu erklären.
    Es kann also in einem Laserinterferometer keine Interferenz geben die auf Gravitationswellen zurückzuführen wäre da jede Gravitationswelle auch den Raum krümmt bzw. verzerrt.

  3. Erstling sagt:

    Sarkasmus der Herr

  4. maitreya sagt:

    @mohikaner:

    “Auch ist die Lichtgeschwindigkeit nach der Relativitätstheorie immer und überall konstant.”

    Lichtgeschwindigkeit ist nicht konstant, sondern hängt von der Dichte des passierten Mediums ab. In Luft beträgt die Lichtgeschwindigkeit 299 710 km/s, in Wasser 225 000 km/s und in Silizium 160 000 km/s.

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