Posted in: Galaxien, Sterne 9. März 2012 16:38 Weiter lesen →

Galaxis voller Blasen

Zwei Falschfarbenbilder zeigen zerfetzt wirkende Gasschwaden, auf einem Bild sind alle potenziellen Blasen durch Ellipsen markiert Ungestüme Sterne verleihen der Milchstraße gewisse Ähnlichkeit mit schäumender Brause. Dieses Bild ergibt sich aus der Arbeit mehrerer Tausend Amateurastronomen. Im Rahmen eines Internetprojekts identifizierten sie über 5.000 blasenförmige Hohlräume, die junge stellare Hitzköpfe in der dünnen interstellaren Materie der Galaxis geformt haben.

Bild: NASA/JPL-Caltech/R. Simpson (Oxford University)

„Diese Entdeckung lässt uns vermuten, dass die Milchstraße in puncto Sternentstehung eine sehr viel aktivere Galaxie ist als bislang gedacht“, erklärt Eli Bressert von der Europäischen Südsternwarte in Garching und von der Universität Exeter, einer der an dem Projekt beteiligten hauptberuflichen Forscher.

Durch die Milchstraße ziehen sich immense Schwaden aus Gas und Staub, in denen mitunter neue Sterne entstehen. Mit ihrer intensiven Strahlung und ihrem Wind aus geladenen Teilchen bringen sie das umgebende Material zum Glimmen und fegen es zugleich hinweg, sodass sich um sie herum große Hohlräume bilden. Im Rahmen des „Milky Way Project“ konnten die Forscher um Robert Smith von der Universität Oxford nun mehr als 35.000 Freiwillige für eine umfassende Kartierung dieser galaktischen Blasen gewinnen.

Auf einer Website präsentierten sie dazu Infrarotaufnahmen des Weltraumteleskops Spitzer, auf denen die Teilnehmer alle kreis- oder ellipsenförmigen Strukturen markieren konnten. Die Auswertung enthüllte nicht weniger als 5.106 Blasen unterschiedlicher Größe – gut zehnmal so viel, wie frühere Erfassungen durch jeweils eine Handvoll Experten geliefert hatten. Deren Funde sind in der neuen Liste zum größten Teil ebenfalls enthalten, berichten Smith, Bressert und Kollegen demnächst in den „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“.

Mit ihrem Projekt wollen die Astronomen unter anderem herausfinden, wie häufig das Zusammenfegen interstellaren Materials am Rand der Blasen die Bildung weiterer Sterne auslöst. Tatsächlich ergab die Kartierung durch die Hobbyforscher, dass etwa ein Drittel aller galaktischen Blasen direkt an andere, größere Blasen angrenzt. Kaskaden der Sternentstehung scheinen in der Milchstraße demnach keine Seltenheit zu sein.

Forschung: Robert J. Simpson, Department of Physics, University of Oxford; Sarah Kendrew, Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg; Eli Bressert, European Southern Observatory, Garching, und School of Physics, University of Exeter; und andere

Veröffentlichung Monthly Notices of the Royal Astronomical Society (im Erscheinen); Preprint arXiv:1201.6357

WWW:
Oxford Astrophysics
The Milky Way Project
HII Region
Spitzer Space Telescope

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