Posted in: Sterne 14. März 2012 19:28 1 Kommentar Weiter lesen →

Künftige Sternwiegen

Grafik zeigt Verdichtung einer Gaswolke über einen Protostern mit zirkumstellarer Scheibe zu einem Stern mit Planeten In einer geradezu idyllischen Gaswolke unweit der Sonne könnten bald neue Sterne entstehen. Entsprechende Hinweise hat eine internationale Astronomengruppe gefunden. Im Innern der Wolke finden sich demnach mehrere Bereiche mit einer hohen Dichte an Gas und Staub, die unter ihrer eigenen Schwerkraft zu Sternen kollabieren könnten.

Grafik: Bill Saxton, NRAO/AUI/NSF

„Dies ist ein Fund mit Seltenheitswert“, erklärt Sarah Sadavoy von der Universität im kanadischen Victoria. Das Gebiet werde weder vom Wind noch von Schockwellen benachbarter Sterne beeinflusst und könne sich daher ungestört entwickeln, so die Astronomin. „Damit haben wir vielleicht den Schlüssel zu einem tieferen Verständnis der ersten Schritte der Sternentstehung in der Hand.“

Sadavoy und Kollegen machten ihre Entdeckung mithilfe des europäischen Weltraumteleskops Herschel. Das Teleskop hatte eine große Wolke aus Gas und Staub unter die Lupe genommen, die etwa 770 Lichtjahre von der Sonne entfernt im Sternbild Perseus liegt. In dieser Molekülwolke gibt es mehrere Bereiche erhöhter Materialdichte. Und in einem dieser „Klumpen“, einem Gebiet mit der Bezeichnung Perseus B1-E und einer Gesamtmasse von schätzungsweise 100 Sonnen, offenbarten die hochauflösenden Beobachtungen nun ein gutes Dutzend kleiner und besonders dichter Gebilde.

Weitere Beobachtungen mit einem großen Radioteleskop, dem Green-Bank-Teleskop im US-Bundesstaat West Virginia, bekräftigten den Verdacht, dass sich diese „Gaskerne“ einmal zu Sternen entwickeln könnten. Zumindest in einem von ihnen scheint das Gas bereits dicht und zugleich kühl genug zu sein, um dauerhaft von seiner eigenen Schwerkraft zusammengehalten zu werden. Die übrigen Gebiete müssen vielleicht noch weiter zur Ruhe kommen, bevor der Kollaps einsetzen kann. Bis dahin ist es nach Ansicht der Forscher durchaus möglich, dass sich einige der Gaskerne gegenseitig Material stehlen oder miteinander verschmelzen.

Forschung: Sarah I. Sadavoy und James Di Francesco, Department of Physics and Astronomy, University of Victoria, und Herzberg Institute of Astrophysics, National Research Council of Canada, Victoria; Eli Bressert, Europäische Südsternwarte, Garching; und andere

Veröffentlichung Astronomy & Astrophysics (im Erscheinen); Preprint arXiv:1111.7021

WWW:
Astronomy, University of Victoria
Perseus Molecular Cloud
Herschel
- Gould Belt Survey
Star Formation

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1 Kommentar zu "Künftige Sternwiegen"

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  1. BDB sagt:

    770 Lichtjahre sind unweit der Sonne?
    Da gibt’s aber so einiges, das dichter dran ist.

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