Posted in: Exoplaneten, Kosmos 28. März 2012 12:52 Weiter lesen →

Uraltes Planetensystem entdeckt

Illustration zeigt gelbes Gestirn mit brodelnder Oberfläche, im Vordergrund ein bräunlicher Gesteinsplanet und ein beigefarbener Gasplanet mit Wolkenbändern Die Entdeckung eines selbst nach kosmischen Maßstäben uralten Planetensystems ist deutschen und amerikanischen Astronomen geglückt. Die von ihnen gefundenen Planeten kreisen um einen Stern, der vor fast 13 Milliarden Jahren entstanden sein dürfte – weniger als 1 Milliarde Jahre nach der Entstehung des Universums.

Grafik: Timotheos Samartzidis

„Wir haben in unserem kosmischen Hinterhof eine archäologische Entdeckung gemacht“, formuliert Johny Setiawan vom Heidelberger Max-Planck-Institut für Astronomie. „Diese Planeten haben sich wahrscheinlich zu einer Zeit gebildet, als unsere Heimatgalaxie selbst noch ein Baby war.“

Setiawan und seine Kollegen gelang ihre Entdeckung bei der gezielten Beobachtung von Sternen mit einem besonders niedrigen Gehalt an „Metallen“ – im astronomischen Sinn alle chemischen Elemente, die im Periodensystem auf die einfachsten Elemente Wasserstoff und Helium folgen. Diese Elemente werden seit dem Urknall erst allmählich im Innern von Sternen erzeugt. Sehr metallarme Sterne bestehen daher aus besonders ursprünglichem Material. Ob und wie häufig sich bei solchen Sternen Planeten bilden können, ist eine offene Frage.

Fündig wurden die Forscher bei HIP 11952. Der Stern liegt gut 375 Lichtjahre von der Sonne entfernt im Sternbild des Walfischs. Gemessen an der Stärke charakteristischer Zacken in seinem Lichtspektrum, enthält er um den Faktor 80 weniger Eisen und andere schwere Elemente als die Sonne. Zudem verschieben sich die Zacken regelmäßig zu kürzeren und wieder zu längeren Wellenlängen. Dieser Dopplereffekt lässt auf zwei Planeten schließen, die ihr Gestirn alle 7 bzw. 290 Tage umkreisen und es durch ihren Schwerkraftzug in eine leichte Taumelbewegung versetzen.

Erst kürzlich hatten Setiawan und seine Kollegen einen Planeten bei einem noch etwas metallärmeren Stern gefunden. „Damals dachten wir, dies sei ein einzigartiger Fund“, erklärt Veronica Roccatagliata, derzeit an der Münchner Universitätssternwarte. „Jetzt sieht es stattdessen so aus, als hätten metallarme Sterne deutlich häufiger Planeten als erwartet.“

Forschung: Johny Setiawan, Veronica Roccatagliata, Thomas Henning und Rainer J. Klement, Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg, Space Telescope Science Institute, Baltimore, und Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie, Universitätsklinikum Würburg; und andere

Veröffentlichung Astronomy & Astrophysics, DOI 10.1051/0004-6361/201117826 (im Erscheinen)

WWW:
Planeten- und Sternentstehung, MPI für Astronomie
Extrasolar Planets Encyclopaedia: HIP 11952
Metallicity

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Planet bei galaktischem Zuwanderer entdeckt
Planeten pudern ihre Sterne
Metallreiche Sterne, kernige Planeten

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3 Kommentare zu "Uraltes Planetensystem entdeckt"

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  1. Ralph sagt:

    Und woher kommt das Material aus dem die Planeten bestehen?

  2. Wilko sagt:

    Ja, das fragte ich mich auch gerade. Es wäre interessant, zu erfahren, was man sich in dieser Richtung vorstellt. Freilich ist wahrscheinlich, dass es sich bei den beiden Planeten um Gasplaneten handelt – kleinere vom Typ Erde etwa kann man heute noch nicht zweifelsfrei nachweisen. Und Gasriesen bestehen in etwa aus demselben Material wie Sterne.

  3. RalphII sagt:

    Ist doch logisch: Von dem Stern den sie umkreisen.
    Nur weil der Stern wenig an Metallen hat heißt das nicht, dass der Stern so alt ist. Er strahlt nur ein metlallarmes Spektrum ab. Vielleicht hat etwas vorher daran gearbeitet, dass der Stern wirklich nur Nahrung zur unbedingt erforderlichen Kernfussion erhalten hat und seither nichts weiteres hinzugekommen ist.
    Die Aussage hier in dem Artikel reißt micht nicht vom Hocker.