Posted in: Sonnensystem 25. April 2012 19:00 0 Kommentare Weiter lesen →

Ausgedehntes Bombardement

Illustration zeigt Einschlag mit feuriger Ejektawolke über blauer Erde Kurz nach der Entstehung des Sonnensystems mussten Erde und Mond zahlreiche Einschläge großer Gesteinsbrocken verkraften. Dieses Bombardement war möglicherweise schwerer und ausdauernder als bislang vermutet, berichten zwei Astronomengruppen im Magazin „Nature“. Erst vor kaum 2 Milliarden Jahren könnte es mit einem letzten Paukenschlag zu Ende gegangen sein.

Grafik: Don Davis

Die neuen Resultate belegten, dass die meisten Einschlagkörper aus dem Asteroidengürtel heraus auf Kollisionskurs mit der Erde geraten seien, erklärt Jay Melosh von der Purdue University im US-Bundesstaat Indiana. „Wir schätzen, dass einige dieser Asteroiden einen Durchmesser von 40 Kilometer hatten“, so der Forscher. Jener Einschlag, der vor 65 Millionen Jahren wahrscheinlich den Untergang der großen Dinosaurier besiegelt habe, gehe dagegen auf ein höchstens 15 Kilometer großes Objekt zurück.

Das „große Bombardement“ setzte vor etwa 4,1 Milliarden Jahren ein, als die Gasriesen Jupiter und Saturn ihre Bahnen verlagerten und viele kleine Objekte aus ihren Bahnen warfen. Ein entsprechendes Modell lässt vermuten, dass diese ungemütliche Phase vor rund 3,8 Milliarden Jahren wieder vorbei war.

Foto zeigt bräunliches Gestein, darin dicht an dicht helle kleine Kugeln, teils aufgebrochen Foto: Bruce Simonson, Oberlin College and Conservatory

Krater aus dieser Zeit sind auf der Erde längst verwittert oder begraben. Von den Einschlägen künden jedoch die großen Einschlagbecken auf dem Mond sowie weltweit nachweisbare Schichten von Sphärulen – millimetergroßen Kügelchen aus verdampftem und dann wieder kondensiertem und erstarrtem Gestein.

Melosh und sein Kollege Brandon Johnson nutzten Daten über die derzeit bekannten Sphärulenschichten, um die Größe und die Geschwindigkeit der zugehörigen Einschlagkörper abzuschätzen. Beide Faktoren passen gut zu einem Ursprung der Objekte im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter, fanden die Forscher. Zudem dürften Einschläge von Asteroiden mit mindestens 10 Kilometer Durchmesser nicht schlagartig, wie mitunter vermutet, sondern allmählich nachgelassen haben.

Ähnliche Resultate, ebenfalls auf Basis von Sphärulendaten, erhielt die Gruppe um William Bottke vom Southwest Research Institute in Colorado. In den 2 Milliarden Jahren nach dem vermeintlichen Ende des Bombardements sind demnach etwa 70 Asteroiden auf der Erde eingeschlagen, die mindestens das Format des „Dino-Killers“ hatten und aus einer heute verwaisten Region am Innenrand des Asteroidengürtels stammten. Nach Ansicht der Forscher ist es durchaus möglich, dass das 250 Kilometer große und ungefähr 1,85 Milliarden Jahre alte Sudbury-Becken in Kanada auf den letzten Einschlag dieser Serie zurückgeht.

Forschung: William F. Bottke, Southwest Research Institute und NASA Lunar Science Institute, Boulder, und David Vokrouhlický, Astronomický ústav, Univerzita Karlova, Prag; Brandon C. Johnson und H. Jay Melosh, Department of Physics und Department of Earth and Atmospheric Sciences, Purdue University, West Lafayette; und andere

Online-Veröffentlichung Nature, 25. April 2012, DOI 10.1038/nature10967 und 10.1038/nature10982

WWW:
Space Science and Engineering, Southwest Research Institute
Earth and Atmospheric Sciences, Purdue University
Impact: Earth!
Spherules Rule
Earth Impact Database

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