Posted in: Sonnensystem 10. Mai 2012 20:00 Weiter lesen →

Sonnensystem mit sanfter Bugwelle

2 Bilder zeigen Sterne als orangefarbene Punkte bzw. Flecken, helle, scharf begrenzte Bugwellen erzeugend Die Sonne pflügt deutlich sanfter durch das dünne Gas der Milchstraße als bislang angenommen. Das zeigen Berechnungen, die amerikanische, russische und deutsche Astronomen auf der Basis von Satellitendaten angestellt haben. Demnach dürfte sich zwischen Sonnensystem und interstellarem Raum bestenfalls eine sanfte Bugwelle bilden, jedoch keine scharfe Stoßfront.

Astronomen kennen bereits mehrere Sterne mit scharf ausgebildeten Stoßfronten, hier LL Orionis und BC Camelopardalis. Bilder: NASA/ESA/JLP-Caltech/Goddard/SwRI

„Der Überschallknall eines Düsenflugzeugs, das die Schallmauer durchbricht, ist ein Beispiel für eine solche Stoßfront“, erklärt David McComas vom Southwest Research Institute im texanischen San Antonio. Anders als ein Jet mit Überschallgeschwindigkeit lasse das Sonnensystem der anströmenden Materie jedoch genügend Zeit, es ohne starke Verdichtung zu umfließen. Der Forscher und seine Kollegen präsentieren ihre Resultate im Magazin „Science“.

McComas und Kollegen stützen sich bei ihren Berechnungen auf Daten, die der NASA-Satellit IBEX seit seinem Start im Jahr 2008 gesammelt hat. Der kleine Satellit zieht auf einer weiten Bahn um die Erde und registriert elektrisch neutrale Teilchen, die vom Rand der Heliosphäre, dem Einflussbereich der Sonne, ins innere Sonnensystem gestürzt sind.

Schema der Heliosphäre mit Bugwelle, Anströmung durch das ISM, Magnetfeldlinien Grafik: Southwest Research Institute

Die Geschwindigkeit des galaktischen Fahrtwinds beträgt demnach nur etwa 23 Kilometer pro Sekunde, während man bislang von mehr als 26 Kilometer pro Sekunde ausgegangen war. Als Folge ist der Druckanstieg im anströmenden Material wahrscheinlich zu gering, als dass sich darin eine äußere Stoßfront („bow shock“) ausbilden könnte, zeigen die Modellrechnungen der Forscher. Der Punkt, an dem die interstellare Materie frontal auf die Heliosphäre trifft, liegt rund 10 Grad westlich und 5 Grad südlich jener Position, an der die Sonne zum Sommerbeginn steht.

Stoßfronten aus stark komprimiertem Gas seien von vielen Sternen bekannt, so McComas weiter. Im Fall der Sonne dürfte ein externer Beobachter jedoch bestenfalls eine leichte Verdichtung des interstellaren Mediums sehen: „Der kritische Wert wird nicht erreicht, sodass eine Welle eine bessere Vorstellung von den Bedingungen am vorderen Rand unserer Heliosphäre gibt – ganz so wie die Welle am Bug eines Schiffs, das durch das Wasser gleitet.“

Forschung: David J. McComas, Southwest Research Institute und University of Texas, San Antonio; Dmitri Alexaschow, Moscow State University und Institute for Problems in Mechanics, Russian Academy of Sciences; Hans Jörg Fahr, Argelander-Institut für Astronomie, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn; und andere

Veröffentlichung Science, DOI 10.1126/science.1221054

WWW:
IBEX, Southwest Research Institute
What’s It Like Where Voyager Is?
Stoßwelle

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Voyager 1 an der Grenze des Sonnensystems
Stellare Unruhestifter
IBEX kartiert den Rand des Sonnensystems
Stern mit Schleppe

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