Posted in: Sonnensystem 25. Mai 2012 17:25 Weiter lesen →

Asteroid auf der Licht-Waage

Grafik zeigt annähernd kugelförmigen, teils eingedellten Asteroiden mit vielen Einschlagkratern Amerikanischen und europäischen Astronomen ist es gelungen, einen Asteroiden mit Licht zu wiegen. Die Forscher ermittelten anhand von Radarbeobachtungen, wie stark das rund 500 Meter große Objekt durch das Sonnenlicht aus seiner Bahn gelenkt wird. Aus der Stärke dieses Effekts konnten sie wiederum auf die Masse und damit auch auf die Beschaffenheit schließen.

Grafik: NASA/GSFC/UA

Der Asteroid mit der Bezeichnung 1999 RQ36 bringe es auf eine Gesamtdichte von 0,97 Tonnen pro Kubikmeter und damit nicht ganz auf den Wert von Wasser, erläutert Steven Chesley vom kalifornischen Jet Propulsion Laboratory. „Das bedeutet, dass es sich um einen sehr porösen Haufen aus Steinen und Staub handeln dürfte“, so der Forscher. Mindestens 50 Prozent des Volumens dürften auf Hohlräume zwischen kleineren und größeren Gesteinsbrocken zurückgehen.

1999 RQ36 soll in einigen Jahren von einer Raumsonde besucht werden, die Proben nehmen und zurück zur Erde bringen soll. Die Gruppe um Chesley und seinen Kollegen Michael Nolan vom Arecibo-Observatorium auf Puerto Rico analysierte nun Radarbeobachtungen aus den Jahren 1999 bis 2011. Es zeigte sich, dass der Asteroid im Laufe des Beobachtungszeitraums um gut 160 Kilometer von seiner vorausberechneten Position abgewichen ist.

Reihe von pixeligen Radarbildern eines als Halbmond erscheinenden Himmelskörpers Im Jahr 1999 erstellte Radaraufnahmen von 1999 RQ36. Grafik: NASA/JPL-Caltech

Verantwortlich für diese Abweichung ist ein als Jarkowski-Effekt bekanntes Phänomen, zeigten Modellrechnungen unter Berücksichtigung sämtlicher möglicher Einflussfaktoren: Da sich der Asteroid im Sonnenlicht um sich selbst dreht, gibt seine noch kühle Vormittagsseite weniger Wärmestrahlung ab als seine aufgeheizte Nachmittagsseite. Das Resultat ist ein leichter Netto-Rückstoß, der die Eigendrehung und auch die Bahnbewegung des Asteroiden nach und nach verändert.

Aus früheren Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop Spitzer wussten die Astronomen, wie rasch sich 1999 RQ36 im Sonnenlicht aufheizt und wieder abkühlt. Daher konnten sie nun den resultierenden Rückstoß berechnen: Selbst am sonnennächsten Punkt der Bahn beträgt er nicht mehr als 0,14 Newton, entsprechend der Gewichtskraft von zwei 1-Euro-Münzen.

Die Reaktion des Asteroiden auf diese Kraft zeige wiederum, dass seine Masse knapp 62 Millionen Tonnen betrage, so Chesley weiter. „Es erfordert extrem präzise Messungen über einen längeren Zeitraum, um eine derart schwache Einwirkung auf etwas derart Großes nachweisen zu können“, so der Forscher.

Forschung: Steven R. Chesley, Jet Propulsion Laboratory, California Institute of Technology, Pasadena; Michael C. Nolan, Arecibo Observatory, Arecibo; Giovanni B. Valsecchi, INAF-Istituto di Astrofisica e Planetologia Spaziali, Rom; Dante S. Lauretta, Lunar and Planetary Laboratory, University of Arizona, Tucson; und andere

Präsentation Asteroids, Comets, Meteors (ACM) 2012, Niigata; #6470

WWW:
Science Division, Jet Propulsion Laboratory
Arecibo Observatory
Yarkovsky Effect
Bahndiagramm 1999 RQ36
OSIRIS-REx

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Sonne lässt Asteroiden aufdrehen
Sonnenlicht drückt Asteroiden gen Erde

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