Posted in: Exoplaneten, Sonnensystem 25. Juli 2012 19:00 Weiter lesen →

Ein ordentliches Planetensystem

Grafik zeigt orangefarbenen Stern mit zwei dunklen Flecken, davor ein dunkler Planet, eingezeichnet die Bahnen und Drehachsen Im Sonnensystem laufen die Planeten in einer gemeinsamen Ebene um die Sonne. Amerikanischen Astronomen ist es gelungen, ein solch aufgeräumtes Planetensystem auch bei einem anderen Stern nachzuweisen. Dessen drei Planeten ziehen nicht nur durch die Sichtlinie zur Erde, sie schatten mitunter auch große Sternflecken auf ihrem Zentralgestirn ab.

Grafik: Cristina Sanchis-Ojeda

Offenbar sind die Planeten des fernen Sterns in einer einzigen großen Scheibe aus Gas und Staub entstanden, folgern die Forscher um Roberto Sanchis-Ojeda vom Massachusetts Institute of Technology im Magazin „Nature“. Diese Scheibe muss zudem in der Äquatorebene des Sterns gelegen haben – ganz im Einklang mit dem favorisierten Modell der Entstehung von Sternen und ihren Planeten.

Sanchis-Ojeda und Kollegen analysierten Messdaten, die das Weltraumteleskop Kepler über einen Zeitraum von 2,5 Jahren gesammelt hatte. Kepler fahndet bei mehreren Zehntausend Sternen nach regelmäßigen Helligkeitsschwankungen, wie sie auf den Durchgang von Planeten durch die Sichtlinie zur Erde hindeuten. Bei einem als Kepler-30 bezeichneten Stern sind auf diese Weise bis heute drei Planeten entdeckt worden.

Der ferne Stern ist ähnlich groß und massereich wie die Sonne, angesichts seiner raschen Eigendrehung und des Vorhandenseins großer Sternflecken auf seiner Oberfläche dürfte er jedoch deutlich jünger sein. Die Forscher nutzten die dunklen Sternflecken als Hilfsmittel, um mehr über die Umlaufbahnen der drei Planeten zu erfahren. Sie fanden, dass immer wieder ein Planet über die helle Scheibe des Sterns zog, wenn gerade auch ein Sternfleck im Blickfeld des Teleskops lag.

Die resultierenden Helligkeitsabfälle waren allerdings etwas schwächer als bei einer Summierung der Effekte von Planet und Fleck zu erwarten. Daraus schließen Sanchis-Ojeda und Kollegen, dass die Planeten wiederholt die ohnehin dunklen Sternflecken bedecken und deshalb mit einer Streuung von wenigen Grad in einer gemeinsamen Ebene um Kepler-30 ziehen. Auf „schiefen“ Bahnen laufende Planeten, wie sie bei anderen Sternen entdeckt worden sind, müssten daher auf eine nachträgliche Störung eines ursprünglich geordneten Systems zurückzuführen sein, so die Forscher, beispielsweise durch einen nahe vorbeiziehenden Nachbarstern.

Forschung: Roberto Sanchis-Ojeda und Joshua N. Winn, Department of Physics, Massachusetts Institute of Technology, Cambridge; Daniel C. Fabrycky, Department of Astronomy and Astrophysics, University of California, Santa Cruz; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 487, 26. Juli 2012, pp 449–53, DOI 10.1038/nature11301

WWW:
Astrophysics Division, Massachusetts Institute of Technology
Extrasolar Planets Encyclopaedia: Kepler-30 b, c, d
Formation of the Solar System
Kepler Space Telescope

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Planeten scheibenweise
Planeten auf der schiefen Bahn

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