Posted in: Galaxien 2. August 2012 20:00 Weiter lesen →

Ein Strudel aus Sterntrümmern

Grafik zeigt Schwarzes Loch, von nach innen heller gleißendem Strudel aus Gas umgeben, vor sternbesetztem Hintergrund Viele Galaxien bergen in ihrem Zentrum ein Schwarzes Loch, das ganze Sterne zerreißen und verschlingen kann. Den Ablauf einer solchen kosmischen Mahlzeit haben amerikanische Astronomen möglicherweise verfolgen können. Die Röntgenstrahlung aus einer fernen, jäh aufgeflackerten Galaxie scheint demnach auf einen rasanten Strudel stark erhitzter Materie zurückzugehen.

Grafik: NASA/JPL-Caltech

Die Strahlung wird alle 200 Sekunden etwas intensiver und wieder schwächer, beobachteten die Forscher um Rubens Reis von der University of Michigan in Ann Arbor. Die naheliegendste Erklärung für diesen Takt seien Massen von Gas und Staub, die von einem zerrissenen Stern stammten und nun um ein Schwarzes Loch mit einer Masse von mindestens einer halben Million Sonnen kreisten, schreiben die Forscher im Magazin „Science“.

Derart massereiche Schwarze Löcher werden in den Kernen der meisten großen Galaxien vermutet. In ihrer Nähe nimmt die Schwerkraft so rasch zu, dass selbst Sterne von den Gezeitenkräften zerrissen werden. Laut Reis und Kollegen zeigen die neuen Resultate, dass dieses Material zunächst eine flache Akkretionsscheibe um das Schwarze Loch bildet, bevor es hinter dessen Ereignishorizont verschwindet – jenem Abstand, ab dem nicht einmal das Licht der starken Schwerkraft zu entkommen vermag.

Für ihre Studie analysierten die Astronomen Daten über eine Galaxie in rund 4,5 Milliarden Lichtjahren Entfernung. Diese hatte sich bis zum 28. März letzten Jahres unauffällig verhalten, war dann jedoch schlagartig im Röntgenbereich aufgeleuchtet. Einige Tage später waren der japanische Satellit Suzaku und der europäische Satellit XMM-Newton auf die allmählich wieder schwächer werdende Strahlungsquelle gerichtet worden.

In den Datensätzen beider Satelliten fanden Reis und Kollegen einen schwach ausgeprägten Takt von ungefähr 200 Sekunden. Nach Ansicht der Forscher dürfte dieses Signal auf die Reste eines zerrissenen Sterns zurückgehen, die gerade noch oberhalb des Ereignishorizonts um ein supermassereiches Schwarze Loch kreisen. Ganz ähnliche quasi-periodische Oszillationen seien bereits bei einem stellaren Schwarzen Loch beobachtet worden, so die Astronomen. Passend zu dessen Masse von höchstens 10 Sonnen hätten diese Oszillation jedoch eine hunderttausendfach höhere Frequenz aufgewiesen.

Forschung Rubens C. Reis und Jon M. Miller, Department of Astronomy, University of Michigan, Ann Arbor; Todd. E. Strohmeyer, NASA Goddard Space Flight Center, Greenbelt; und andere

Veröffentlichung Science, 2. August 2012, DOI 10.1126/science.1223940

WWW:
Astronomy Department, University of Michigan
Active Galaxies: A Monster in the Middle
Suzaku
XMM-Newton

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Schwarzes Loch frisst Stern
Neue Belege für Ereignishorizont

Posted in: Galaxien
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (7 Bewertungen, im Schnitt 4,71 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.