Posted in: Sonnensystem 10. August 2012 14:52 Weiter lesen →

Kosmische Saat für schimmernde Wolken

Foto zeigt bläulich schimmernde Wolkenfilamente über tiefschwarzer Erde Kosmischer Staub ist mitverantwortlich für eines der erstaunlichsten Wolkenphänomene über der Erde. Diese Ansicht bekräftigen Satellitenmessungen amerikanischer Forscher. Die winzigen Eiskristalle, aus denen schimmernde Wolken nahe der Grenze zum Weltraum bestehen, besitzen demnach einen mineralischen Kern.

Auch von der Internationalen Raumstation aus lassen sich die nachtleuchtenden Wolken beobachten. Bild: NASA

Die Wolken werden als filigrane, weiß bis bläulich leuchtende Filamente in mehr als 80 Kilometern Höhe sichtbar, wenn die Sonne bereits unter dem Horizont steht und ihr Licht gerade noch die obere Atmosphäre streift. In der extrem dünnen Höhenluft könnten meteoritische Staubkörnchen als Kristallisationskeime für das Wachstum der eisigen Wolkenpartikel dienen, erläutert James Russell von der Hampton University im US-Bundesstaat Virginia.

Russell und seine Kollegen analysierten Daten des Satelliten AIM (Aeronomy of Ice in the Mesosphere), der seit 2007 um die Erde kreist. Eines der Satelliteninstrumente blickt in die gerade auf- oder untergehende Sonne, um deren Lichtspektrum mitsamt dem optischen Fingerabdruck atmosphärischer Teilchen zu registrieren.

Die Forscher fanden, dass die Eispartikel der nachtleuchtenden Wolken nicht aus reinem Wassereis bestehen können. Die Messdaten lassen sich nur erklären, wenn die Wolkenpartikel zusätzlich etwas Kohlenstoff und Eisenoxid bzw. Eisenmagnesiumoxid enthalten. Den Anteil dieser Verunreinigung schätzen die Wissenschaftler auf bis zu 3 Prozent.

Auf ihrer Bahn um die Sonne liest die Erde täglich mehrere Tonnen kosmischen Materials auf – überwiegend in Form bestenfalls sandkorngroßer Mineralpartikel. Beim Durcheilen der Atmosphäre ziehen die kleineren und größeren Meteoriten eine Spur mikroskopisch feinen Staubs. Nach Ansicht Russells und seiner Kollegen ist es kein Zufall, dass die nachtleuchtenden Wolken ausgerechnet in jenem Höhenbereich auftreten, in dem die Konzentration des Meteoritenstaubs besonders hoch ist.

Forschung: Mark E. Hervig und Larry L. Gordley, GATS Inc., Driggs und Newport News; James M. Russell III, Center for Atmospheric Sciences, Hampton University, Hampton; und andere

Veröffentlichung Journal of Atmospheric and Solar-Terrestrial Physics, Vol. 84–85, August 2012, DOI 10.1016/j.jastp.2012.04.005

WWW:
Aeronomy of Ice in the Mesosphere
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