Posted in: Exoplaneten 29. August 2012 00:30 Weiter lesen →

Exoplaneten: Astronomen sehen doppelt

Grafik zeigt Blick über den Horizont eines bläulichen Gasplaneten auf zwei ferne, weiße bzw. rötliche Sterne und einen weiteren bläulichen Planeten Die Entdeckung eines höchst ungewöhnlichen Planetensystems vermeldet eine internationale Astronomengruppe. In dem fernen System gibt es zwei Planeten, die nicht nur einen, sondern gleich zwei Sterne umkreisen – ein Szenario, wie man es lange nur aus Science-Fiction-Erzählungen kannte.

Grafik: NASA/JPL-Caltech/T. Pyle

Alle vier Partner bewegen sich in einer gemeinsamen Ebene, die zudem genau in der Sichtlinie zur Erde liegt, berichten die Forscher um Jerome Orosz und William Welsh von der kalifornischen San Diego State University auf einer Fachtagung in Peking. Offenbar seien die Planeten also an Ort und Stelle entstanden, „ungeachtet der chaotischen Bedingungen in der Umgebung von Doppelsternen“, schreiben die Forscher in einem zeitgleich veröffentlichten Artikel im Magazin „Science“.

Orosz, Welsh und Kollegen analysierten Daten des Weltraumteleskops Kepler, das fortwährend die Helligkeit von mehreren Zehntausend Sternen in der Nähe des Sternbilds Schwan misst. Rund 4.500 dieser Sterne werden regelmäßig etwas dunkler und kurz darauf wieder heller, wenn ein Partnerstern oder aber ein Planet durch die Sichtlinie zum Teleskop zieht. Im Fall des Systems mit der Bezeichnung Kepler-47 treffen beide Erklärungen zu, fanden die Forscher.

Kepler-47 wird alle 7,5 Tage um rund 13 Prozent und wenige Tage später um 0,8 Prozent dunkler. Dieser Effekt kommt zustande, weil das System aus einem sonnenähnlichen Stern und einem Zwergstern besteht, die sich gegenseitig umkreisen und – von Kepler aus gesehen – immer wieder bedecken. Über einen Zeitraum von 1050 Tagen konnten die Forscher allerdings noch zwei weitere Verdunklungsrhythmen mit einer Periode von knapp 50 bzw. gut 303 Tagen nachweisen, die sie auf das Vorhandensein von 2 Planeten zurückführen.

Der innere Planet benötigt knapp 50 Tage für einen Umlauf und hat ungefähr das 3-Fache des Erdradius, berechneten die Astronomen. Auf dem äußeren Planet dauert ein Jahr gut 300 Tage, sein Radius dürfte 4,6-mal so groß sein wie der Erdradius. Die Massen lassen sich derzeit bestenfalls grob auf 8 bzw. 20 Erdmassen schätzen.

Nach Ansicht Welshs ist besonders der äußere Planet Kepler-47c geeignet, die Phantasie anzuregen, da er von seinen zwei Zentralgestirnen fast genauso viel Strahlungsenergie erhält wie die Erde von der Sonne. Damit liegt er rein rechnerisch in der lebensfreundlichen Zone des Binärsystems. „Kepler-47c selbst dürfte zwar kein Leben beherbergen“, so der Forscher. „Sollte er aber größere Monde haben, wären das ausgesprochen interessante Welten.“

Forschung: Jerome A. Orosz und William F. Welsh, Astronomy Department, San Diego State University, San Diego; Joshua A. Carter, Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, Cambridge; William J. Borucki, NASA Ames Research Center, Moffett Field; und andere

Veröffentlichung Science, DOI 10.1126/science.1228380; Präsentation auf dem 28th General Assembly of the International Astronomical Union, Peking

WWW:
Astronomy Department, San Diego State University
Circumbinary Planet
Detecting Circumbinary Planets – „How We Found Tatooine“
Kepler

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Planet bei „explosivem“ Doppelstern entdeckt
Vierfacher Sonnenaufgang

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