Posted in: Galaxien 5. September 2012 18:16 Weiter lesen →

Entdeckt: Das galaktische Ringelschwänzchen

Illustration zeigt bläuliche, spiralförmig gewundene Gasmasse, die vom Kollisionspunkt zweier bläulicher bzw. rötlicher Gaswolken ausgeht Japanische Astronomen haben im Herz der Milchstraße ein ungewöhnliches Objekt ausgemacht. In direkter Nachbarschaft des galaktischen Zentrums fanden sie eine große Gaswolke, die wie eine Spirale gewunden ist. Die Form geht vermutlich auf Magnetfelder zurück, die bei der Kollision weiterer Wolken verdrillt worden sind.

Grafik: Keio University/NAOJ

„Die wunderschöne, sich klar abzeichnende Schraubenstruktur hat uns sehr überrascht“, erklärt Tomoharu Oka von der Keio-Universität in Yokohama. Der Astronom und seine Kollegen tauften ihren Fund auf den Namen „Ringelschwänzchen-Molekülwolke“. Ungeachtet der putzigen Bezeichnung dürfte die stattliche Wolke genügend Gas enthalten, um daraus mehrere Hunderttausend Sonnen zu bilden.

Die gewundene Wolke liegt wenige Hundert Lichtjahre von dem extrem massereichen Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße entfernt. In dieser Zone waren bereits früher große Wolken aus vergleichsweise warmem Gas entdeckt worden, die auf zwei verschiedenen Umlaufbahnen um das Schwerkraftzentrum ziehen.

Okas Arbeitsgruppe hatte das Gebiet in den 90er-Jahren anhand der Radiostrahlung kartiert, die von energetisch angeregten Kohlenmonoxid-Molekülen ausgesandt wird. Erst ein Jahrzehnt später fiel Tetsuo Hasegawa vom ALMA-Observatorium in Chile bei der Durchsicht dieser Daten eine schraubenförmige Gasstruktur auf. Der Fund veranlasste die Forscher, das Gebiet erneut unter die Lupe zu nehmen. Dieses Mal erfassten sie zusätzlich auch Radiostrahlung, die von Molekülen wie Blausäure und Siliziumoxid ausgesandt wird.

Grafik zeigt Doppler-Radiokarte, Farbcodierung der Bewegungsgeschwindigkeit, mit schraubenförmiger Struktur Grafik: Keio University/NAOJ

Die neuen Beobachtungen bestätigten Hasegawas Entdeckung. Wie die Gruppe im „Astrophysical Journal“ berichtet, ist die wie ein Ringelschwänzchen geformte Wolke etwa 65 Lichtjahre breit und erhebt sich ebenso hoch über die Ebene der Milchstraße. Ihren Ausgang nimmt sie genau an einem der beiden Punkte, an denen sich die zwei Molekülwolken-Umlaufbahnen der galaktischen Zentralzone berühren. Daher vermuten die Forscher, dass bei gelegentlichen Begegnungen der umlaufenden Molekülwolken die Magnetfeldlinien in einem engen Bereich um den Kollisionsort verdrillt werden. Die bei der Begegnung erzeugten Gasfetzen richten sich dann an dieser magnetischen Kordel aus und bilden so das Ringelschwänzchen.

Forschung: Shinji Matsumura und Tomoharu Oka, Institute of Science and Technology, Keio University, Yokohama; Tetsuo Hasegawa, Joint ALMA Observatory, Las Condes; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal, Vol. 756(1), 87, DOI 10.1088/0004-637X/756/1/87; Preprint arXiv:1207.4704

WWW:
Department of Physics, Keio University
National Astronomical Observatory of Japan
Our Galaxy’s Central Molecular Zone

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Sternentstehung am Abgrund
Astronomen finden magnetische Spirale

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