Posted in: Exoplaneten 8. November 2012 09:07 Weiter lesen →

Ein Stern mit sechs Supererden

Illustration zeigt Blick auf fernen Zwergstern als hell-orangefarbene Scheibe, im Vordergrund ein Planet mit Meeren und Kontinenten Selbst in sehr fremdartig wirkenden Planetensystemen kann es potenziell lebensfreundliche Welten geben. Entsprechende Resultate liefert eine Datenanalyse europäischer und amerikanischer Astronomen. Ein Nachbarstern der Sonne wird demnach von nicht weniger als sechs Planeten mit einem Vielfachen der Erdmasse umkreist, deren äußerster mitten in der Zone flüssigen Wassers liegt.

Illustration: University of Hertfordshire

Diese Welt wird mit ihrer Masse von mindestens 7 Erdmassen zu den „Supererden“ gerechnet und umkreist den Zwergstern HD 40307, lediglich 42 Lichtjahre von der Sonne entfernt. Daher stelle sie ein lohnendes Ziel für direkte Beobachtungen durch künftige Weltraummissionen dar, schreiben die Forscher um Mikko Tuomi von der University of Hertfordshire und Guillem Anglada-Escudé von der Universität Göttingen im Fachblatt „Astronomy & Astrophysics“.

Erst vor wenigen Jahren war bei HD 40307 ein Trio von Supererden auf sehr engen Umlaufbahnen entdeckt worden. Diese Planeten zerren an ihrem Stern, bringen ihn ins Torkeln und bewirken auf diese Weise regelmäßige Doppler-Farbverschiebungen in seinem Lichtspektrum. Tuomi, Anglada-Escudé und Kollegen wandten nun eine neue Analysemethode auf 345 öffentlich verfügbare HARPS-Spektren des Sterns an. Zu ihrer Verblüffung fanden sie neben den drei bekannten Supererden noch drei weitere Planeten ähnlichen Kalibers.

Fünf dieser Supererden umkreisen ihr Zentralgestirn binnen weniger Tage auf Umlaufbahnen, die im Sonnensystem innerhalb der Bahn des sonnennächsten Planeten Merkur liegen würden. Anders dagegen die sechste Welt mit der Bezeichnung HD 40307 g: Sie benötigt 200 Erdtage für einen Umlauf und hält dabei einen Abstand, der rund 60 Prozent des Abstands der Erde von der Sonne entspricht. Da ihr Stern etwas schwächer strahlt als die Sonne, sollten die Oberflächentemperaturen dieser Supererde die Existenz flüssigen Wassers gestatten.

„HD 40307 ist ein alter Zwergstern, der sich völlig unauffällig verhält“, erklärt Anglada-Escudé. „Daher gibt es keinen Grund, warum dieser Planet kein erdähnliches Klima aufweisen sollte.“ Außerdem sei die neue Supererde so weit von ihrem Stern entfernt, dass sie wahrscheinlich frei rotieren könne, schreiben der Forscher und seine Kollegen. Unter dem Einfluss der Gezeitenkräfte wenden viele andere Exoplaneten ihrem Stern dagegen stets die gleiche Hemisphäre zu und werden gleichsam halbseitig geröstet.

Forschung: Mikko Tuomi und Hugh R. A. Jones, Centre for Astrophysics Research, University of Hertfordshire, Hatfield, und Department of Physics and Astronomy, University of Turku, Piikkiö; Guillem Anglada-Escudé, Institut für Astrophysics, Georg-August-Universität Göttingen; Enrico Gerlach, Lohrmann-Observatorium, TU Dresden; und andere

Veröffentlichung Astronomy & Astrophysics (im Erscheinen)

WWW:
Centre for Astrophysics Research, University of Hertfordshire
Institut für Astrophysik, Uni Göttingen
The Habitable Zone
Extrasolar Planets Encyclopaedia: HD 40307
HARPS, ESO

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Super-Erden im Dreierpack

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